Aus dem Bemühen, einen fairen Handel zu gestalten und den Erzeugern von Produkten in der Dritten Welt entsprechenden Lohn für ihre Arbeit zukommen zu lassen, ist der alternative Handel entstanden. Ausgehend von den Niederlanden, wo 1967 die Stiftung S. O. S. (Stiftung Entwicklung und Zusammenarbeit) gegründet wurde, konstituierten sich entsprechende Organisationen in Österreich (EZA), Deutschland (gepa) und der Schweiz (OS 3). Außer dem Verkauf, der durch Ausschaltung des Zwischenhandels für die Produzenten eine wesentlich höhere Entlohnung ermöglicht, bildet die Hintergrundinformation über Produkte und Produktionsbedingungen einen wesentlichen Faktor der Bildungsarbeit. Ein allfälliger Gewinn aus dem Verkauf kommt nicht den Gesellschaftern der Organisationen zugute, sondern wird für Investitionen und den Ausbau der laufenden Aktivitäten verwendet. Bezüglich der geförderten Produzentinnen existiert ein genauer Kriterienkatalog. Sie müssen den ärmeren Schichten einer Gesellschaft angehören, gemeinschaftlich organisiert sein und eine angemessene Bezahlung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter garantieren. Es sollen Strukturen mit gemeinsamer Entscheidungsfindung entwickelt werden. Die Produktion soll unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ohne Schädigung der Umwelt erfolgen. Hand in Hand mit der Hilfe zur Selbsthilfe wird eine Veränderung der Strukturen in Europa, wie z. B. Rüstungsverminderung, angestrebt. Einen großen Sprung im Verkaufserfolg erzielte die Max-Havelaar-Stiftunq in Holland mit dem Vertrieb von Kaffee aus der Dritten Welt über Supermärkte. An der Frage, inwieweit diese Form des Verkaufs mit der Ideologie des Dritte-Welt-Handels vereinbar ist, scheiden sich die Geister. Die Gegner befürchten eine Verwässerung der Grundprinzipien, andererseits würde die Hinwendung auf den durchschnittlichen Konsumenten, wie es der Geschäftsführer der EZA in Österreich, Jean-Marie Krier, sieht, große Möglichkeiten eröffnen, eine „umwelt- und sozialverträgliche Entwicklung" auf breiter Basis voranzubringen. G. K.

Pilz, Brigitte: Zum Beispiel. Alternativer Handel. Göttingen: Lamuv-Verl., 1993. 112 S., DM 9,80/sFr8,30/ öS 76,40