Anlaß für diese Ende des Jahres 1991 veranstaltete Tagung war und ist die hochgesteckte Vorgabe der Betreiber der Expo 2000 in Hannover, der südlichen Hemisphäre (und mithin den Anliegen und Problemen von 213 der Weltbevölkerung) besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Um Möglichkeiten des "sozialen Experiments" vorab zu sondieren und den Dialog nicht nur zwischen Nord/Süd, sondern auch Süd/Süd zu fördern, wurde die hier in ihren wesentlichsten Aspekten, aber keineswegs vollständig dokumentierte Konferenz in zwei Teilen konzipiert: Den authentischen Bericht und die Analyse sozial-, kultur- und kolonialgeschichtlicher Einflüsse steuerten Expertinnen aus den im Untertitel angeführten Metropolen Indiens, Perus, Nigerias und Tanzanias im Rahmen einer offenen Tagung bei, ihr schloß sich ein vertiefendes Kolloquim an. Wenngleich der wachsende Gegensatz zwischen der Machtkonzentration der wenigen und der steigenden Marginalisierung der Massen als Gemeinsamkeit der Befunde auszumachen ist, ist doch eine differenzierte Sicht der Dritt-Welt-Probleme dringend anzuraten. Ihre Vertreter fordern aus unterschiedlichen Motiven eine Partnerschaft auf der Basis demokratischer und wirtschaftlicher Eigenständigkeit, die vom Norden forcierte Ausweitung des informellen Sektors wird mit Skepsis betrachtet.   Den Möglichkeiten und Grenzen neuer Organisations- und Planungsansätze auf dem Weg zu einer tragfähigen Entwicklung skizzieren u.a. Christine Brookfield vom" International Committee for Local Environmental Initiatives" ICLEI, London, und E. Giroult, der das WHO-Projekt „Healthy Cities" vorstellt. Unter dem Generalthema „Cities Dialogue" werden schließlich Aspekte wie Selbsthilfe, urbanes Management, Autonomie der Städte und Demokratieentwicklung angesprochen. Dem Für und Wider, oder besser: der Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit des Mammutprojekts Expo 2000 sind die abschließenden Beiträge gewidmet. Selbst dem nachvollziehenden Betrachter verdeutlicht dieser Band, wie vielfältig und konstruktiv diese Diskussion mit Gewinn für alle Beteiligten geführt werden kann. Die deutlich formulierte Enttäuschung der Veranstalter, daß die Sensibilität wie Solidarität verkündenden Worte der Expo-Betreiber angesichts der bescheidenen Teilnahme den Verdacht bloßer Lippenbekenntnisse nahelegen, gilt es indes nicht minder ernst zu nehmen. W Sp.

Die Zukunft heißt Stadt - Hat die Stadt Zukunft? Hyderabad, Lima, Ibadan, Dar-es-Salam, Hannover. Hrsg. v. Jörg F. Mayer. Rehburg-Loccum: Evangel. Akademie Loccum, 1992.385 S. (Loccumer Protokolle 64/91), DM 16,- / sFr 13,60 / öS 124,80