Die Bevölkerung ist noch nie so schnell gewachsen wie in den letzten 25 Jahren. Allein 1991 kamen 95 Mio. Erdenbürgerinnen hinzu. Dies hat eine Vielzahl wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Folgen, die eine menschenwürdige Entwicklung und die Existenzsicherung künftiger Generationen gefährden. Klaus Leisinger, Professor für Entwicklungssoziologie und Leiter der Ciba-Geigy-Stiftung für Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern, bespricht hier in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Komitee für Unicef die Hintergründe und Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung. Er ist sich durchaus bewußt, daß es nicht legitim ist, "auf dem warmen Kissen nordwesteuropäischen Wohlstandes sitzend bevölkerungspolitische Empfehlungen abzugeben, ohne gleichzeitig auch für eine Veränderung unseres rohstoffintensiven Lebens- und Produktionsstils zu plädieren". Im Großen und Ganzen beschränkt er sich dann aber doch auf halbherzige Korrekturvorschläge. In einem umfangreichen Forderungskatalog werden gesellschaftspolitische, wirtschaftliche und sozialpolitische Voraussetzungen für eine Verlangsamung des Bevölkerungszuwachses genannt, wobei der Autor besonders eine veränderte Denkhaltung der Männer und die umfassende Verantwortung beider Partner einfordert. Leisinger diskutiert verschiedene Bevölkerungsprogramme, wobei er auch - nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen - die Suspendierung des uneingeschränkten Rechtes auf Fortpflanzung in Erwägung zieht. Im Einzelnen analysiert er staatliche Eingriffe, Anreizprogramme, Familienplanung auf freiwilliger Basis und" technische" Mittel und Methoden der Geburtenkontrolle, denen er eine zentrale Rolle einräumt. Die Tatsache der Bevölkerungsexplosion veranschaulicht, wie das Wissen um die absehbare Entwicklung den Gang der Dinge nicht wesentlich beeinflußt. Hier fehlt es an konkreten Schritten zur Umsetzung gut gemeinter Ratschläge. Zugegeben, das Vorhaben ist gewaltig, handelt es sich doch um nichts weniger als um die Realisierung einer Kulturrevolution. A.A.

Ein weiterer Band zum Thema dokumentiert ein Symposion, veranstaltet vom "Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung " (FAW): Menschenbild und Überbevölkerung. Hrsg. v. FAW Ulm: Univ.-Verl. Ulm, 1992.228 S. (Wissensverarbeitung und Gesellschaft; 4)

 

Leisinger, Klaus M.: Hoffnung als Prinzip. Bevölkerungswachstum: Einblicke und Ausblicke. Basel (u. a.): Birkhäuser-Verl., 1993. 422 S., DM 44,- / sFr 37,30 / öS 343,20