Der nunmehr zum zweiten Mal in deutscher Sprache herausgegebene Jahresbericht des renommierten Worldwatch Institute faßt in seinem einleitenden Beitrag Fakten, Daten und Indizien zusammen, die insgesamt auf eine Zunahme der globalen Gefährdungen schließen lassen. Die Situation ist gekennzeichnet durch eine Reihe von "Katastrophenprozessen", die von der Wissenschaft zwar erkannt werden, doch zu selten die Korrektur eingeübter Handlungsmuster bewirken. Auf der anderen Seite gibt es eine ganze Reihe positiver Entwicklungen. Im Bereich der Energie-Einsparung kommen die Autoren etwa zu dem überraschenden Ergebnis, daß die Ersparnis im "Industriesektor seit 1973 weltweit den gesamten Energieverbrauch von Afrika, Lateinamerika und Südasien übersteigt". Die verstärkte Fortsetzung aller diesbezüglichen Anstrengungen ist dringend geboten, da vor allem die absehbaren Klimaveränderungen in Folge der ansteigenden Kohlenstoffemissionen "in der Praxis irreversibel" wären. Der Erforschung und dem Einsatz alternativer Energien werden zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt, richtungsweisend sind hier vor allem Schweden und die Schweiz. Exemplarisch genannt sei auch die Nutzung des Windes, der seit 1973 in weltweit mehr als 10.000 Anlagen zur Energiegewinnung eingesetzt wird.

Weitere Abschnitte behandeln die Problemkreise Wiederaufforstung und Artenschutz. Das "Netz des Lebens" wird immer löchriger. "Weil so viele der vom Aussterben bedrohten Arten vollkommen unbekannt sind, bleiben ihre biologische Bedeutung und ihr möglicher Nutzen für die menschliche Gesellschaft ein Geheimnis." Schon heute müssen "bis zu 2000 Arten Säugetiere, Reptilien und Vögel nachgezüchtet werden, wenn sie nicht im Verlauf der Rodung und Zerstückelung der Wälder ausgerottet werden sollen". Auch in diesem Jahr befassen sich die Autoren mit Umweltchemikalien und Altlasten und nehmen darüber hinaus kritisch zu SDI Stellung. Das Konzept wird nicht nur aus militärstrategischen Überlegungen verworfen, sondern auch aufgrund seiner wirtschaftlichen Folgen abgelehnt. Es ist zu befürchten, "daß der kostspielige Einsatz von SDI die USA und die Sowjetunion wirtschaftlich ruinieren würde".

In dem abschließenden Kapitel kommen die Projektleiter zu einem ebenso realistischen wie ernst zu nehmenden Schluß: "Wenn wir an der gegenwärtigen Entwicklung festhalten, werden Krisen entstehen und sich verschärfen, bis die Institutionen nicht mehr in der Lage sind zu reagieren. Dennoch ist dieser sachliche, ungemein gut lesbare Befund keine überwiegend pessimistische Analyse. Wer verläßliche Daten über die wichtigsten Krisen unseres Planeten und zugleich Strategien zu deren Beseitigung sucht, für den ist dieser Report ein unerläßliches Nachschlagewerk.

Zur Lage der Welt 88/89. Daten für das Überleben unseres Planeten. Hrsg. v. Worldwatch Institute. Dt. Fassung v. Gerd Michelsen. Frankfurt/M.: S. Fischer, 1988.304 S. DM 25,-/sfr 21,20/öS 195,-