"... Der Mensch wird sich wie ein Roboter benehmen. Morgens aufstehen und zur Arbeit gehen, Mittagessen, Arbeiten, Abendessen, Fernsehschauen und Schlafen. Dann beginnt der Ablauf von neuern. Der Mensch wird keine Freude mehr am Leben haben und wird schon als Maschine geboren. / Wenn das so weitergeht mit dem Luftverpesten und so, wird selbst der Hund mal aussterben." Gegenwart, Zukunft oder beides? Die Vorstellungen und Ängste eines 13-jährigen Mädchens über ihre und unsere nahe Zukunft sind erschreckend, Erschreckend in ihrer ungeschminkten Aufrichtigkeit und genauen Beobachtung, zugleich auch repräsentativ in der tristen Grundstimmung, die zumindest die Mehrzahl der von Margitta Meinzerhagen gesammelten Aufsätze auszeichnet.

Es ist freilich nicht verwunderlich, daß manche Kinder, überwiegend Mädchen, sich ihr dreißigstes Lebensjahr im heimeligen Kreis familiären Glücks und in Wohlstand ausmalen. Dahinter aber verbergen sich "Fertigträume aus Wolkenkuckucksheim", wie eine 15-Jährige die Illusion immerwährenden materiellen Wachstums entlarvend charakterisiert. Der unvorstellbar hohe Preis, der dafür tagtäglich bezahlt wird, zeigt seine dunkle Seite in den Sorgen der Kinder, denen wir offenbar eine zunehmend unbewohnbare Welt hinterlassen. Und doch setzen sie dagegen die Hoffnung und den Willen, etwas für das Überleben zu tun: "... die Blumen des Schmerzes werden abgeschafft sein, es wird wieder ein Gewissen geben... Wenn ich dreißig bin wird alles anders sein". '

Sind es im erstgenannten Buch 7- bis 15-jährige Schulkinder, die sich über ihre Zukunft Gedanken machen, so versammelt der zweite Titel ausgewählte Beiträge von Jugendlichen, die als Redakteure von Schüler- und Jugendzeitschriften auch schriftstellerisches Talent in ihre Befürchtungen, Hoffnungen und Visionen einbringen. Auch hier herrschen begründete Ängste und Zweifel vor. Doch zeigen die Aufsätze, die sich um Atomenergie, Umweltzerstörung, die Auswirkungen einer verkabelten Welt und immer wieder um die Frage drehen, ob es denn überhaupt noch eine Zukunft für den Menschen geben wird, daß Kritik und Resignation nicht gleichzusetzen sind. Andererseits ist es in Anbetracht der gewichtigen Einwände nicht überraschend, daß Aussichten auf eine lebenswerte, humane Zukunft vielfach in Form des unverbindlichen Konjunktivs formuliert sind: Man müßte, sollte und könnte ...

Kinder und Narren, heißt es, sagen die Wahrheit. Sie war und ist auch heute unangenehm. Auch in einer experten- und statistikgläubigen Zeit sollte sie aber gehört werden. Bessere Anwälte können wir uns nicht wünschen. Die Einsicht, daß Jugendliche die Gefahren unserer Zeit viel ungeschminkter benennen und zugleich phantasievollere Vorschläge für ein besseres gesellschaftliches Miteinander "er-finden" können, hat mittlerweile zu einer Reihe von vergleichbaren Initiativen geführt: Wer zur Frage "Wie überwinden wir Friedensfreunde die Resignation?" einen Beitrag liefern möchte, der ist eingeladen, bis 1.4.1989 einen Text von längstens drei Maschinschreibseiten an den Harms-Verlag, Heikendorfer Weg 118, 0-2312 Mönkeberg, zu senden. Die besten der von Robert Jungk beurteilten Arbeiten werden im "Friedenskalender 90" veröffentlicht. Außerdem erwartet die Gewinner ein Preisgeld von insgesamt DM 500,-. Gute Ideen sind immer gefragt, denn sie können die Welt verändern

"Bäume und Vögel gibt es auch nicht mehr". Kinder schreiben über ihre Zukunft. Hrsg. v. Margitta Meinerzhagen. Hamburg: Rasch und Röhring, 1988.247 S. DM 29,80/sfr 25,30/öS 232,40

So stelle Ich mir die Zukunft vor. Beitr. zum Jugendpressepreis 1987. Hrsg. v. Heiko Barner u. Arno Hesse. München: Schneekluth, 1988.200 S. DM 19,80/sfr 16,80/öS 154,40