Wird in fernerer Zukunft das Jahr 1984 als historischer Wendepunkt in die Geschichtsschreibung der Menschheit eingehen? Dies ist nicht auszuschließen, zumal in diesem Jahr die scheinbar unaufhörlich nach oben zeigenden Wachstumskurven der globalen Getreideproduktion gekippt sind. 1993 verzeichnet man gegenüber dem Höchstwert bereits ein Minus von 11 %, und auch die Fischfangquote liegt gegenwärtig sieben Prozentpunkte unter dem Höchstmaß aus dem Jahr 1989. "Wir müssen lernen", schreibt Lester Brown, der Leiter des Worldwatch Institute, im Abschlußkapitel des nunmehr bereits zum 11. Male vorgelegten WWI-Fortschrittsberichts zur Lage der Welt, "in einer Weise verantwortungsvoll über die begrenzten Kapazitäten des Planeten zu informieren und danach zu handeln, die es bislang nicht gegeben hat." Nur so kann die "ökologische Revolution", in deren Zentrum die SichersteIlung der Ernährung stehen muss, Wirklichkeit werden.

In insgesamt zehn Kapiteln des "Berichts zur Lage der Welt" (mit einer Fülle aktueller Daten, Fakten und Grafiken) beschäftigen sich die Mitarbeiter des Instituts mit zentralen Aspekten der Zukunftsgestaltung. Erörtert werden die Grenzen globaler Belastbarkeit (1), Perspektiven für eine ökologisch und sozialverträgliche Forstwirtschaft (2) und Möglichkeiten zum Schutz der Meere (3). Neue Perspektiven für die Energiewirtschaft und das Transportwesen schließen sich an. Der Computer als Instrument des Umweltschutzes und als Medium, mit welchem wir lernen können, die Welt ganzheitlich zu begreifen, steht im Mittelpunkt des Beitrags von John E. Young (6). Dem Zusammenhang von Chemie, Umweltbelastung und Gesundheitsgefährdung ist im folgenden Abschnitt Ann Mish auf der Spur. Sie plädiert u. a. für eine differenzierte Einschätzung von Risiken. Den nach wie vor ungelösten Folgen des (atomaren) Wettrüstens sowie der unumgänglichen (und in Ansätzen auch erkennbaren) Neuorientierung der Weltbank - Dezentralisierung der Verwaltung und verstärkte Förderung von Kleinprojekten lauten die Gebote der Stunde - sind die weiteren Beiträge gewidmet.

Einen konzeptionell vergleichbaren Band legt die von Willy Brandt ins Leben gerufene Stiftung Entwicklung und Frieden, Bonn, vor:

Globale Trends 93/94. Daten zur Weltentwicklung. Ingomar Hauchler (Hrsg.), Frakfurt/M.: S. Fischer, 427 S.. DM 19,90/ sFr 20,90/ öS 156

Auf eine Fülle aktueller, international verfügbarer Daten aufbauend, werden zu den Bereichen Weltordnung, -gesellschaft-, -frieden, -wirtschaft, -ökologie, und -kultur jüngste Entwicklungen dargelegt, Zusammenhänge aufgezeigt und Prognosen entwickelt. Positiv hervorzuheben ist die Sorgfalt die auf die Gestaltung von Graphiken und Tabellen verwandt wurde: sie gewährleisten raschen Zugriff und fördern das Verstehen auch komplexer Strukturen.

W Sp.

State of the World 1994. A Worldwatch Institute Report on Progress Toward a Sustainable Society, Lester R. Brown ... (Mitarb.)

New York (u. a.): Norton, 1994. 2655., US $ 11,95 (ISBN 0-393-31117-1)