Mit einer 1998 vorgelegten Studie, der zufolge die Weltbevölkerung um 2050 nicht - wie von der UNO prognostiziert - 9,4 Mrd., sondern „nur“ 8,9 Mrd. betragen werde, sorgte das Worldwatch Institute für internationales Medienecho. Positiv schlage die vielfach rückläufige Zahl der Bevölkerungsentwicklung in mehr als dreißig Industriestaaten zu Buche; katastrophal hingegen wirke sich die vor allem in Zentralafrika grassierende Aids-Seuche aus, der allein in den nächsten 10 Jahren rund ein Viertel der Erwachsenen zum Opfer fallen dürfte. In der hier vorliegenden, erweiterten und aktualisierten Fassung des Berichts skizzieren Experten des Instituts insgesamt 19 Aspekte der weltweiten Bevölkerungsentwicklung, wobei das Spektrum von den weltweiten Getreide-, Wasser-, Fisch- Energie- oder Waldressourcen bis hin zu sozialen Dimensionen wie Erziehung, Arbeit und Wohnraumbedarf reicht.

Einige zentrale Aspekte der Studie im Detail: Äthiopien, Pakistan und Nigeria werden in nur 50 Jahren die Zahl ihrer Bevölkerung mehr als verdoppelt, ja beinahe verdreifacht haben; der weltweit verfügbare Raum für Getreideanbau um jährlich ein Prozent absinken; schon 2025 werden mehr als 1 Mrd. Menschen an den Folgen akuten Wassermangels leiden; zudem gefährdet die dramatische Einschränkung der Biodiversität die Sicherstellung der Ernährung. So werden etwa in China gegenwärtig nur noch 10 Prozent der zu Mitte des Jahrhunderts angebauten Sorten kultiviert. Zum anderen liegt der Energiehunger der USA derzeit pro Kopf rund 13 Mal über dem Durchschnitt der Entwicklungsländer und wird innerhalb der nächsten 50 Jahre den Energiebedarf um weitere 758 Mio. Tonnen (gemessen auf Erdölbasis), emporschnellen lassen, was in etwa dem gegenwärtigen Bedarf der beiden „Subkontinente“ Lateinamerika und Afrika entspricht. Bis 2050 werden rund 1,7 Mrd. neue Arbeitsplätze weltweit benötigt, allein in Indien sind es derzeit schon an die 10 Mio. pro Jahr. Wenn - um an dieser Stelle eine durchaus unvollständige und durch weitere interessante Fakten ergänzbare Bilanz zu ziehen - einer UN-Prognose zufolge die magische Grenze der 6 Mrd. Erdenbürger am 12. Oktober 1999 (S. 13) überschritten wird und zu Mitte des 21. Jahrhunderts mehr als 6,2 Mrd. Menschen in Städten leben werden, so bedeutet dies auch der Tatsache Rechnung zu tragen, daß schon heute mehr als 100 Mio. Menschen ohne Behausung vegetieren und etwa 1/6 der Weltbevölkerung in bitterster Not lebt, obwohl, global bemessen, das Einkommen seit 1950 um nicht weniger als 164 Prozent angestiegen ist.

Um der „demografischen Ermüdung“ entgegenzuwirken, plädieren die Autoren vor allem für verstärkte Investitionen in Erziehung und Bildung: Sollte es gelingen, die durchschnittliche Geburtenrate von derzeit 2,7 Kindern pro Paar auf beispielsweise 1,6 zu senken, so bedeutet dies einen Rückgang der Weltbevölkerung von 10,7 auf 7,3 Mrd. zu Mitte des 21. Jahrhunderts. Daß die Zukunft des Planeten entscheidend vom Erfolg entsprechender Maßnahmen abhängt, macht dieser Band mehr als deutlich. W. Sp.

Brown, Lester R.; Gardner, Gary; Halweil, Brian: Beyond Malthus. Nineteen Dimensions of the Population Challenge. Ed.: Worldwatch Institute. New York (u. a.): Norton, 1999. 167 S., US$ 13,-- / ca. DM 22,30 / sFr 20,- / öS 156,-