Die seit 1945 immer intensiver geführte Diskussion über die Rolle der Wissenschaft und ihren Einfluß auf die Zukunft wird mit diesem Plädoyer eines bekannten Hochschulprofessors, der sich als Wissenschaftssenator der Stadt Hamburg vorübergehend - leider wenig erfolgreich - in die Alltagspolitik eingemischt hat, sicherlich bereichert. Denn es werden hier mit einer Deutlichkeit, die viele andere Naturwissenschaftler im deutschen Sprachraum vermissen lassen, sowohl an die Wissenschaftler selber wie an die Öffentlichkeit Forderungen herangetragen, die ein neues Verhältnis zwischen Forschern, Politikern und Wirtschaftlern einerseits, Forschern und Bürgern andererseits schaffen könnten.

Daß es hier an notwendigen intensiven und vor allem kritischen Auseinandersetzungen fehlt, macht der Autor an Hand seiner Erfahrungen deutlich. Sein Versuch, für solche überlebensnotwendigen Kontakte einen institutionellen Rahmen zu schaffen - er schlug bereits 1982 eine "Akademie zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt" vor - ist zwar zunächst gescheitert, sollte aber angesichts der sich häufenden Katastrophen in der "menschengemachten Welt" erneut erwogen werden. Ebenso bedenkenswert sind Meyer-Abichs Bekenntnisse zu einer erweiterten "ganzheitlichen Erneuerung der Wissenschaft". In Fortführung des väterlichen Werks versucht er die Möglichkeiten einer holistisch orientierten Wissenschaft auszuloten, in der "Erhaltungswissen" an die Stelle von "Zerstörungswissen" treten kann. Damit reiht er sich in die Schar jener ein, die wie Prigogine, Maturana, Varela, Laszlo und Jantsch sich vom mechanistischen Determinismus der von Descartes und Newton beherrschten Evolution abwenden und von Menschen beeinflußbaren Lebensprozessen entscheidenden Einfluß auf die Zukunftsentwicklungen einräumen.

Meyer-Abich, Klaus M.: Wissenschaft für die Zukunft. Holistisches Denken in ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung. München: Beck, 1988. 184 S. (Beck'sche Reihe; 365) DM 19,80/sfr 16,801öS 154,40