Der BUND, mit ca. 140.000 Mitgliedern die größte Umweltschutzorganisation der BRD, legt hier eine in 16 Kapitel gegliederte umfassende Bestandsaufnahme der ökologischen Folgen einer auf Wachstum und Ausbeutung hin orientierten Wirtschaft und Lebenseinstellung vor. Ob Altlasten, Landwirtschaft, Chemie- oder Energiepolitik, Gewässer-, Arten- oder Biotopschutz: Die Spur der lebensfeindlichen Folgen unserer Entscheidung für scheinbar unermeßlich wachsenden' Wohlstand (einer weltweit verschwindend kleinen Minderheit!) ist unübersehbar. In Anbetracht der zahllosen Beispiele verschwenderischen, leichtfertig die Existenzgrundlagen der kommenden Generation aufs Spiel setzenden Wachstums, fordert Hubert Weinzierl einen "zärtlichen Kulturentwurf". Und wer weiß, daß Tag für Tag eine Art unwiederbringlich von der Erde verschwindet, der wird die Forderung nach einem geänderten Umgang mit unseren Mitgeschöpfen nicht als bloße Phrase abtun.

Eindringlich warnen die Autoren u.a. vor den unabsehbaren Folgen der Gen- und Biotechnik. In diesem Bereich fordern sie rigorose gesetzliche Maßnahmen. Am Beispiel Waldsterben wird indes die bürokratische Auflistung der Schäden als "brisantes Dokument schuldhafter Untätigkeit" kritisiert, während der nur halbherzige Einsatz für Alternativen auf breiter Front als "einer der größten wissenschaftspolitischen Skandale unserer Zeit" bezeichnet wird.

Neben den fundierten, allgemein verständlichen Dokumentationen "vor Ort" verdienen vor allem auch die beiden abschließenden Beiträge besondere Beachtung. Christian Sailer plädiert entschieden für den gesetzlich gesicherten Schutz der Natur und die Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung. Nachdrücklich wird die plebiszitäre Ergänzung der repräsentativen Demokratie gefordert, um durch direkten Willen des Volkes den Weg hin zu einer BUNDesrepublik einzuschlagen. Die Überlegungen von Binswanger zur Aussöhnung von Ökonomie und Ökologie durch Einführung von Verursacherprinzip, Energiesteuer u.a. machen deutlich, daß der Traum von einem besseren Leben Wirklichkeit werden könnte.

Ein umfassender Anhang mit Glossar, der vom BUND erstellten Altstoffliste, Adressen, kommentierter Auswahlbibliographie und einem umfangreichen Sachregister gewährleisten weiterführende Informationen und raschen Zugang.

Umweltbilanz. Die ökologische Lage der Bundesrepublik. Hrsg. v. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Hamburg: Rasch u. Röhring, 1988.300 S. DM 26,-/sfr 22,-/öS 202,80