Die Politik der nuklearen Abschreckung, vom Autor des vorliegenden Buches kurz" Globalstrategie " genannt, sei nicht misslingende Kommunikation, wie die kritische Friedensforschung beschrieb (..Dialog der Schwerhörigen" Daniel Frei, "autistisch-strukturierte Pseudokommunikation" Dieter Senghaas). sondern gar keine Kommunikation. An die Stelle des Kommunikationsmodells setzt Engell das Textmodell: Beim Text sind "nicht Hören und Sprechen, sondern Lesen und Schreiben die basalen kommunikativen Aktivitäten. Die Notwendigkeit des Zuhörens entfällt." Globalstrategie ist "monologisch" - der "Empfänger" (die andere Supermacht) wird funktionalisiert, ist Teil des eigenen Textes. Sie ist selbstreferentiell und muss Glaubwürdigkeit erzeugen, um mit sich selbst die Rüstungsausgaben zu legitimieren. Von zentraler Bedeutung für die Legitimationsstrategie sei die "Virtualisierung" des Krieges, also die Schaffung eines Zustandes, der den Krieg permanent als möglich androht und ihn - ursächlich auf Ersteres bezugnehmend - zugleich ausschließt. Die permanente Kriegsvorbereitung werde so als Friedenszustand propagiert und (auch) wahrgenommen. Rechtfertigungs- bzw. Loyalisierungsmuster sieht der Autor u.a. auch in den verwendeten Sprachebenen: Die Techno-Sprache der Waffen (ABM, ICBM, SOl .. .). aber auch der Abrüstungsverhandlungen (START, MBFR; INF ... ) soll Sachkompetenz suggerieren und zugleich Kommunikationsschranken gegenüber den Nicht-Experten aufbauen, die Besetzung von Begriffen wie "Sicherheit", "Verantwortung", "Behauptung", "Glaubwürdigkeit" sowie ideologische Sprachregelungen wie "die Erhaltung des Friedens in Freiheit" hingegen die Verbindung zum "gesunden Menschenverstand" herstellen. Für Engell ist auch Entspannung ein integraler Teil der Globalstrategie, sie ziele auf Restabilisierung und nicht auf Beseitigung der globalen Abschreckungspolitik. Das vorliegende Buch bietet keine Alternativen, doch es entlarvt Rechtfertigungsmuster und -strategien einer "Sicherheits"-Politik, deren Destruktivität offensichtlich ist. die aber nichts desto trotz noch immer politische Mehrheiten findet. Die hier notgedrungen verkürzt und selektiv wiedergegebene Analyse der Politik des Wettrüstens als inszenierter" Text" belebt die Friedensforschung durch den "ganz anderen" Blickwinkel der modernen Semiotik und kann/soll Basis für weitere Detailstudien sein, etwa über den Zusammenhang von Herrschaft und (Rüstungs)Technik. 

Engell, Lorenz: Der gedachte Krieg. Wissen und Welt der Globalstrategie. München: Raben-Ver/., 1990. 158 S., DM 22,- / sFr 18,80/ öS 171,60