Im Juli 1995 verlieh der Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück - der Stadt, in der gemeinsam mit Münster der Westfälische Friede geschlossen wurde - an den Sozialwissenschaftler und Friedensforscher Johan Galtung das Ehrendoktorat (eine Auszeichnung, die erst zum zweiten Mal vergeben wurde; der andere Doktor h. c. ist Robert Jungk). In diesem Band sind einerseits die zu   diesem Anlaß gehaltenen Ansprachen, die Laudatio und die Promotionsurkunde dokumentiert, andrerseits eine ganze Reihe theoretischer und auch literarischer Beiträge (von Aischylos über Remarque und Heinrich Böll bis zu einem Auszug eines Theaterstücks über den Krieg in Bosnien) zum Thema Frieden versammelt. Von Galtung selbst findet man eine Rückschau auf die Rezeption seiner strukturellen Theorie des Imperialismus und zwei Aufsätze über die Ausbildung von “Friedensspezialisten ", seine Vita und eine ausführliche Bibliographie seiner Veröffentlichungen der Jahre 1990-1995. Hans Holzinger untersucht Galtungs Friedenstheorie im Kontext der Zukunftsforschung und diskutiert Handlungsmöglichkeiten in der universitären Friedensforschung, der Konfliktbearbeitung, der Friedenspädagogik und im öffentlichen Friedensdiskurs. Das Buch stellt sich auch aktuellen Konflikten: Johannes F. Hartkemeyer interviewt Galtung über den Balkankrieg, wobei dieser Empathie, Gewaltfreiheit und Kreativität als entscheidende Punkte im Umgang mit Konflikten nennt; und der Vorschlag von fünf Wissenschaftlern für einen diplomatischen Durchbruch auf dem Balkan gewährt im Licht dessen, was wir heute - nach Dayton - wissen, interessante Einblicke in die Diskrepanzen zwischen Friedenstheorie und Realpolitik. W R.

Johan Vincent Galtung. Forschung, Erziehung und Arbeit für den Frieden. Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Sozialwissenschaften der Universität Osnabrück an Johan Vincent Galtung. Hrsg. v. György Széll, Osnabrück: fibre Verl., 1996. 122 S.