Auch wenn die Notwendigkeit ziviler Konfliktbearbeitung zunehmend erkannt wird, fristet die noch junge Wissenschaftsdisziplin der Friedensforschung hinsichtlich der öffentlichen Förderung noch immer ein Randdasein, ein Umstand, der im Zuge der allgemeinen Krise der öffentlichen Haushalte weiter verschärft wird. Die Friedensdividende, von der 1989 euphorisch die Rede war, läßt noch immer auf sich warten. Um so wichtiger ist es, daß die Friedensforschung sich kompetent und selbstbewußt zu Wort meldet, was mit den beiden vorliegenden Jahresberichten zur" Lage des Friedens" vortrefflich gelingt. Das Bemühen um ein besseres Verständnis gegenwärtiger Konflikte und um konkrete Lösungsorientierung mit "originellen Antworten auf schwierige Problemlagen " benennt der Friedensbericht 1996, der erstmals - der Notwendigkeit, die Bestandsaufnahme durch Therapievorschläge zu ergänzen, Rechnung tragend - als Jahrbuch der Konfliktlösung erscheint, als wichtigste Aufgabe. Thematisiert werden u. a. Konflikte in Rußland und den Nachfolgestaaten der UdSSR, die neue Lage in Afghanistan, das Scheitern des Panafrikanismus als Instrument der Friedenssicherung und selbstverständlich die Friedensaussichten im ehemaligen Jugoslawien nach „Dayton“. Das „Friedensgutachten 1996" ortet positive wie negative Entwicklungen, Erfolgen in der Nuklearabrüstung stehen etwa nur zögerliche Fortschritte im Verbot von Landminen gegenüber. Durchaus ambivalent wird auch der "späte Friede" in Bosnien-Herzegowina bewertet. Der Friedensprozeß im Nahen Osten, die Entwicklungen der Türkei zwischen Orient und Okzident, der Terrorismus als Herausforderung an die internationale Politik, die Chancen präventiver Rüstungskontrolle oder die sich zuspitzende Welternährungssituation sind weitere Themen, die einer eingehenden Analyse unterzogen werden. H. H.

 

Theorie und Praxis ziviler Konfliktbearbeitung. Friedensbericht 1996. 1. Jahrbuch der Konfliktlösung. Hrsg. v. Österr. Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, Chur (u.a.): Verl. Rüegger, 1996. 372 S. (Dialog; 30)

Friedensgutachten 1996. Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Hrsg. v. Bruno Schoch .,. Münster: LIT, 1996. 388 S.