Generationskonflikte und die damit scheinbar zusammenhängende Veränderung der Wertvorstellungen im Laufe der letzten Jahrzehnte ist der Ausgangspunkt dieser Untersuchung. Der Verfasser, pensionierter Neurologe, Psychiater, Psychoanalytiker, Sozialpsychologe und stellvertretender Direktor des Sigmund-Freud-Institutes in Frankfurt/M., macht neben den äußeren, Rahmenbedingungen seines Staates, wie beispielsweise der geschichtlichen Fortschreitung von der Weimarer Republik bis zur vereinigten BRD, auch die damit verbundene Einführung neuer Techniken für den allgemeinen Werteumbruch verantwortlich,   Die Folgen des Fortschritts werden für den einzelnen zunehmend unübersehbar, verursachen somit den Rückzug auf die "subjektive Wirklichkeitsvorstellung" und im Extremfall die Etablierung der aktuellen Suchtprobleme. Emotionen werden aufgestaut, weil sie in der auf materiellen Grundlagen beruhenden Gesellschaft keine Entsprechung finden. Der rote Faden dieses Buches, der leider sehr assoziativ gesponnen wird und mit keinem einzigen Literaturhinweis verknüpft ist, verwebt die veränderten partnerschaftlichen Beziehungen ebenso wie die "Mehrdimensionalität der Werte in verschiedenen Kulturen". Abschließend vertritt Brocher trotz aller zuvor gemachten Abstriche eine optimistische Zukunftssicht, die - für einen Freudianer beinah selbstverständlich durch die Veränderung der Einstellung zur menschlichen Sexualität grundlegend bedingt ist. Die jüngere Generation legt demnach besonderen Wert auf "Klarheit und Glaubwürdigkeit der WerteinsteIlungen ", wobei Brochers positive Sicht wesentlich auf seiner menschheitsgeschichtlichen und damit relativierenden Betrachtungsweise beruht. M. K.

Brocher, Tobias: Wandelt sich auch rasch die Welt - Werte im Umbruch. Stuttgart: Quell-Verl., 1993. 96 S., DM 12,80/ sFr 10,70/ öS 98,80