Radical Transformation

Lisa Jaspers, Naomi Ryland, Soraida Velazquez Reve

Ausgabe: 2026 | 3
Lisa Jaspers, Naomi Ryland, Soraida Velazquez Reve

Ich habe mir diese Frage selbst schon oft gestellt: Warum verändert sich so wenig, obwohl wir so viel wissen? Die Fakten zur Klimakrise, zu sozialer Ungleichheit oder zu politischen Verwerfungen liegen seit Jahren auf dem Tisch und doch bleibt tiefgreifender Wandel häufig aus. Genau an diesem Punkt setzt „Radical Transformation – Wie das Wissen über Gefühle die Welt verändern kann“ von Lisa Jaspers, Naomi Ryland und Soraida Velazquez Reve an.

Führt mehr Wissen automatisch zu besseren Entscheidungen?

Die Autorinnen stellen die verbreitete Annahme infrage, dass mehr Wissen automatisch zu besseren Entscheidungen führt. In einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind, verlagern sie den Fokus auf das, was in politischen und gesellschaftlichen Debatten oft ausgeklammert wird: Gefühle. Dabei geht es nicht nur um Empathie oder Verbundenheit, sondern auch um jene Emotionen, die als störend oder unproduktiv gelten wie zum Beispiel Wut, Angst, Ohnmacht.

Ausgangspunkt des Buches ist die Beobachtung, dass gesellschaftliche Krisen nicht allein an mangelnder Aufklärung scheitern, sondern an der fehlenden Fähigkeit, emotional mit ihnen in Beziehung zu treten. Jaspers, Ryland und Velazquez Reve zeigen, wie Gefühle Orientierung geben können: Sie machen sichtbar, wo Werte verletzt werden, wo Ungerechtigkeit erlebt wird und wo Handlungsdruck entsteht. Emotionen erscheinen hier nicht als Gegensatz zur Rationalität, sondern als notwendige Ergänzung zu ihr.

Besonders interessant ist der politische Blick auf sogenannte unangenehme Gefühle. Wut wird nicht pathologisiert, sondern als möglicher Wendepunkt verstanden und als Reaktion auf reale Missstände. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie nicht individualisiert oder verdrängt, sondern in kollektive Zusammenhänge eingebettet wird. So verbinden die Autorinnen persönliche Erfahrungen aus Aktivismus und Unternehmertum mit gesellschaftlicher Analyse und zeigen, wie innerer Wandel und strukturelle Veränderung zusammenhängen.

Dabei bleibt „Radical Transformation“ bewusst offen und vermeidet einfache Antworten. Es ist kein Handlungsleitfaden im klassischen Sinne, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Das Buch fordert dazu auf, innezuhalten, eigene Reaktionsmuster zu hinterfragen und Gefühle als Teil politischer Realität ernst zu nehmen. Gerade in Zeiten wachsender Polarisierung plädieren die Autorinnen für Menschlichkeit als Voraussetzung für Transformation.

Ein ruhiges, nachdenkliches, zugleich politisches Buch

„Radical Transformation“ ist ein nachdenkliches, ruhiges und zugleich politisches Buch. Es erinnert daran, dass gesellschaftlicher Wandel nicht nur durch Wissen, Strategien oder Programme entsteht, sondern auch durch die Fähigkeit zu fühlen und durch den Mut, diese Gefühle als Ausgangspunkt für Veränderung zuzulassen.