Wer wünschte sich nicht ein selbstbestimmtes, zeitlich flexibel gestaltetes Arbeitsverhältnis, das von genügend Zeit für Weiterbildung, sportlichen Aktivitäten (während der ‚Dienstzeit') und ausgiebigen Erholungs- und Gesprächsphasen im Kollegenkreis geprägt ist. Dass in diesem Umfeld ein auf Zeit und auf Abruf demokratisch gewählter Vorgesetzter ebenso seinen Platz hat wie die Integration der Familie oder sogenannte "Sabbatals", die es ermöglichen, gänzlich anderen Interessen nachzugehen, um mit frischem Elan an eine als gesellschaftlich wertvoll empfundene Aufgabe zurückzukehren - all das ist als Ergebnis einer Zukunftswerkstätte keineswegs ungewöhnlich. Überraschend an den von Beate Kuhnt und Norbert Müllert geleiteten, vom DGB organisierten, und in der vorliegenden Broschüre auch für Außenstehende ml.t Gewinn einzusehenden Dokumentation ist m. E. zweierlei: Zum einen fällt auf, dass im breiten Spektrum der behandelten Themen der Umgang mit neuen Technologien und insbesondere die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes keine zentrale Rolle spielt, sondern allenfalls im Bündel vorrangiger Wünsche eingebunden ist; und zweitens mag vor allem Skeptiker der Methode nachdenklich stimmen, dass die Teilnehmerinnen sehr wohl konkrete Vorstellungen haben, wie ihre Wünsche in die Realität umzusetzen wären. Nicht weniger als 14 „Projektumrisse" weisen das realitätsverändernde Potential des Konzepts „Zukunftswerkstatt" nach. Dass Veränderungen zum Wohle aller nicht nur denkbar, sondern auch machbar sind, werden nicht nur die Teilnehmer dieser Veranstaltung mit Interesse zur Kenntnis nehmen. So gesehen, wäre zu wünschen, dass sich - nicht nur - Gewerkschaften dieser zentralen Fragen annehmen und Widerstände im Umgang mit diesem vorerst noch unkonventionellen Konzept eigenverantwortlicher Zukunftsplanung weiteren Veranstaltungen dieser Art nicht entgegenstehen. WSp.

Kuhnt, Beate; Müllert, Norbert R.: Arbeitsmodelle 2000. Mehr Selbstbestimmung  bei Zeit, Inhalten und Umfeld. Zukunftswerkstätten. Ratingen (u.e). 1992. 52 S. (Kostenlos zu beziehen über: DGB-Kreis Nürnberg, Kornmarkt 5-7, 0-8500 Nürnberg.)