7 Bücher. 7 Themen.

Ausgabe: 2024 | 2
7 Bücher. 7 Themen.

Hami Nguyen: Das Ende der Unsichtbarkeit

Die Autorin zeigt ihre eigene Betroffenheit von anti-asiatischem Rassismus als spezifischer Form des Rassismus primär mit Blick auf Kindheit und Studium auf und begründet, dass es mehr Sichtbarkeit für die Komplexität des Themas braucht, das neben ost- und südostasiatischen Menschen diverse andere Personen und Regionen betrifft. Dabei befasst sie sich auch mit der Kritik an dem Begriff des anti-asiatischen Rassismus und zeigt gleichzeitig, wie der Begriff strukturellen, institutionellen und alltäglichen Rassismus verhandelt. Lara Kierot

Hami Nguyen: Das Ende der Unsichtbarkeit. Warum wir über anti-asiatischen Rassismus sprechen müssen. Ullstein Verlag, Berlin 2023; 272 Seiten

 

Matthias Naß: Kollision

Der SZ-Journalist Mathias Naß bietet in diesem Band einen fundierten und leicht verständlichen Überblick über die Diskursfelder, Regionen und Akteure im Spannungsfeld zwischen China und den USA im Indopazifik. Die beiden Supermächte werden traditionell sowohl als Vertreter der Demokratie und Autokratie als auch als Platzhirsche und Herausforderer betrachtet und in verschiedene Richtungen untersucht. Empfehlenswert für all jene, die sich rasch einen ausgewogenen Überblick verschaffen möchten. Stephan Renker

Matthias Naß: Kollision. China, die USA und der Kampf um die weltpolitische Vorherrschaft im Indopazifik. C.H. Beck Verlag, München 2023; 282 Seiten

 

Eva von Redecker: Bleibefreiheit

Neue Begriffe einzuführen, so Gilles Deleuze und Félix Guattari, gilt als Streben jeder philosophischen Denkbemühung. Dadurch werden Begriffe zum Ereignis, weil sie neue Einsichten und Perspektiven andeuten. Eva von Redeckers Buch steht in direkter Wahlverwandtschaft dazu, weil sie in diesem überzeugend eine „neue Figur, die Bleibefreiheit“ (S. 107) einführt. Ein anspruchsvoller Essay zu einem neuen Begriff der Freiheit, demzufolge sich diese entlang zeitlicher, nicht räumlicher Parameter entfaltet. Raffael Hiden

Eva von Redecker: Bleibefreiheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023; 160 Seiten

 

Helen Hester, Nick Srnicek: After Work

Technologische Innovationen, wie Waschmaschinen oder elektrische Herde, haben die Hausarbeit in den letzten Jahrzehnten deutlich erleichtert. Dennoch hat dies nicht dazu geführt, dass weniger Zeit dafür aufgewendet wird. Das liegt zum einen daran, dass die gesellschaftlichen Standards rund um Sauberkeit und Kindererziehung gestiegen sind. Die Autor:innen skizzieren Ansätze, wie die Belastung durch unbezahlte Arbeit sinken könnte, etwa durch die Vergemeinschaftung von Care-Arbeit oder die Umgestaltung von Städten. Stefanie Gerold

Helen Hester, Nick Srnicek: After Work. A History of the Home and the Fight for Free Time. Verso Books, London 2023; 288 Seiten

 

Bernhard von Mutius, Winfried Kretschmer: Habe Mut

Anhand von sechs Gesprächen werden die Grundlinien einer neuen Aufklärung ausbuchstabiert. Dieser gehe es vordergründig um Relativierung der instrumentellen Vernunft. Die Fokusverschiebung gelinge, wenn dem Kontingenten, Mehrdeutigen Aufmerksamkeit geschenkt wird; auf elementarer Ebene müsse das „Nichtwissen im Wissen“ kultiviert werden. In Bezugnahme auf Immanuel Kants preisgekrönter Beantwortung der Frage „Was ist Aufklärung“, arbeiten Winfried Kretschmer und Bernhard von Mutius eine Neuschattierung heraus, die eine gegenwärtige Form von Aufklärung zu problematisieren hätte, stellte man die Frage neu, mit den Brillen für gegenwärtige Herausforderungen. Raffael Hiden

Bernhard von Mutius, Winfried Kretschmer: Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – und des der anderen. Sechs Gespräche über eine neue Aufklärung. changeX Verlag, Erding 2021; 70 Seiten

 

Jean M. Twenge: Generations

Macht es Sinn, gesellschaftlichen Wandel mit Hilfe von Generationentypologien zu beschreiben? Einerseits ist klar, dass die Unterschiede innerhalb einer Generation sehr komplex sind. Andererseits steht außer Zweifel, dass bestimmte Erfahrungen in einer Epoche prägend sind. Hier setzt Jean M. Twenge an, wenn sie auf der Basis umfangreicher Daten erklärt, dass die Unterschiede zwischen den Generationen vor allem durch technologischen Wandel begründet werden. Stefan Wally

Jean M. Twenge: Generations. The Real Differences Between Gen Z, Millennials, Gen X, Boomers, and Silents – and What They Mean for The Future. Atria Books, New York 2023; 560 Seiten

 

Jonathan Strahan (Hg.): Communications Breakdown

Mit „Communications Breakdown“ wird die Publikationsreihe „Twelve Tomorrows“ von MIT Press und MIT Technology Review um einen weiteren Band ergänzt. Wie schon in der vorangegangenen Ausgabe tritt der Publizist Jonathan Strahan als Herausgeber auf, stellt erneut Sci-Fi-Kurzgeschichten, Illustrationen und ein Interview zu einer stimmigen Ausgabe zusammen. Jeder Beitrag reagiert dabei auf verschiedene Weise auf die Überlegung: „What happens when communications break down, when the technological and other developments that we might consider important are simply unavailable? What happens if communicating the future itself breaks down when technology is used and misused?“ (S. VIII). Katharina Kiening

Jonathan Strahan (Hg.): Communications Breakdown. SF Stories about the Future of Connection. MIT Press, Cambridge 20233; 224 Seiten