Der Marsch der Hungernden nach Europa endet an den Grenzen des Kontinents - zumindest im Film, dessen Dialoge hier abgedruckt sind. In seinem Kommentar fragt Hans Arnold, ob dieser Film nicht nurTeil des "Infotainment" ist: wonach "alle Wirklichkeit unserer realen Welt zum genüsslich zu betrachtenden Spektakel gerinnt"? Er wehrt sich gegen die Praxis, mit dem Abschalten des TV-Gerätes auch das Problembewusstsein auszuschalten. Den Hintergrund der im Film behandelten Thematik bilden Kriege, Menschenrechtsverletzungen, falsche Entwicklungspolitik und der Luxus des Nordens auf Kosten des Südens. Neben einer Analyse der Gründe für Flucht und Migration, für oft aggressive Ablehnung von Ausländern und Flüchtlingen sucht Arnold nach den Ursachen von Armut und Hunger. Seiner Ansicht nach sind neben der hier auch genannten Umweltproblematik dafür hauptsächlich wirtschaftliche Zwänge (Exportgüterproduktion) verantwortlich. Einziges Rezept zur Bewältigung des Nord-Süd-Konflikts ist eine Umkehr der bisherigen Prioritäten von Eigen- und Gemeinnutz. Abschließend werden zwei Fernsehdiskussionen u.a. mit Vaclav Havel, Richard v. Weizsäcker, Robert Mugabe sowie Robert Timberlake wiedergegeben. Darin kommt die Notwendigkeit globaler Betrachtungsweise und Entwicklung langfristiger Perspektiven zum Ausdruck. 

Der Marsch. Aufbruch der Massen nach Europa. Das Drama des Nord-Süd-Konflikts. Rosenheim: Horzonte Verl., 1990. 141 S., DM 18,-/sFr 15,30/öS 140,40