Adam Kuper

The Museum of Other People

Ausgabe: 2025 | 2
The Museum of Other People

„Do people who share a ‚culture’ (whatever that might mean), have collective rights in historical artefacts that date back centuries? […] Can we (Europeans, let us say) grasp the world view, the rituals, the customs, the arts of people with whom, it may seem, we have little in common, and who have reason to suspect us of racism, or at least condescension? Can we, should we, translate their ideas into our own terms?“

(S. 26f.) Diese Fragen bilden den Rahmen von Adam Kupers Monografie „The Museum of Other People“. Das Buch reiht sich in die intensive und provozierende Debatte der Restitution kolonialer Objekte ein und legt dabei exemplarische Schwerpunkte auf ethnografische Museen in Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Diese Museen, z. B. das Musée du Quai Branly (Paris), das Pitt Rivers Museum (Oxford) oder die Smithsonian-Institution mit ihren zahlreichen Häusern (hauptsächlich in Washington D.C.), waren sowohl Gegenstände als auch Akteur:innen von zahlreichen Erneuerungen im Zuge des sog. Postcolonial Turns (ab den 1980ern), der auf die Kontinuität kolonialer Strukturen aufmerksam macht und sich für eine kritische Analyse des kolonialen Erbes einsetzt. Dass die Restitutionsdebatte ein Teil dieses Diskurses ist, aber noch weiter zurück geht, hat etwa Bénédicte Savoy in ihren einschlägigen Arbeiten beforscht.

Kuper knüpft in gewisser Weise daran an, verhandelt die Diskussion aber nicht an einzelnen Objekten, wie etwa Savoy, sondern zieht Institutionen in den Fokus seiner Untersuchung. Den Rahmen bildet eine gründliche Auseinandersetzung mit der Ideologie des Kolonialismus und des kolonialen Ausstellens, den Kuper auf die weitläufige Rezeption des Darwinismus bzw. des genealogischen Denkens zurückführt. Der Soziologe und Museumswissenschaftler Tony Bennett, der diese Strukturen in vielen seiner Werke bereits beforscht hat, bleibt bei Kuper leider unerwähnt. Stattdessen scheint es Kuper weniger um die Präsentation und das Ausstellungsdisplay ehemals kolonialisierter Kulturen in ethnografischen Institutionen zu gehen, sondern um eine moralische Frage der Ausstellungspraxis für sich.

Ein ‚Museum of Other People‘ sei nach Kuper aus dem Bestandteil der Exotica der ehemaligen Kunst- und Wunderkammer entstanden und differenziere nun People of Color von weißen Personen. Die Prozesse des Otherings werden durch solche Institutionen weiter intensiviert und stehen deshalb oft im Zentrum der (postkolonialen, aktivistischen, u. a.) Kritik. Wie Kuper zeigt, gehen – wenig überraschend – die Institutionen ganz unterschiedlich mit den Ansprüchen dieser Kritik um: Sie reichen von tiefgründigen Reflexionen und Neuausrichtungen zu nur marginalen Interventionen der bestehenden Praxis.

Anstoß für Diskussionen über das koloniale Erbe

Kupers Monografie ist im museografischen Kanon über die aktuellen Herausforderungen ethnografischer Museen zu lesen und bietet einen groben Überblick über das „europäische“ Ausstellen „außereuropäischer“ Objekte. Es ist allerdings anzumerken, dass selbst auf über 400 Seiten keine eindeutige und pauschale Antwort auf diese Fragestellungen gegeben werden kann – zu komplex sind die musealen Strukturen, die dahinter stehenden politischen Motivationen und die Polyphonie kultureller Diskurse. Dennoch bietet Kuper einen Anstoß für Diskussionen über das koloniale Erbe, die wir sowohl in Österreich als auch in Salzburg häufiger führen sollten.