
Afrika gilt als Wiege der Menschheit und ist der zweitgrößte Kontinent der Welt, aber dessen Geschichte wurde meist von Außenstehenden geschrieben. Diese Lücke versucht der schwedisch-gambische Journalist Amat Levins mit „Black History“ zu füllen. Das Ergebnis ist ein facettenreiches Leselexikon über viertausend Jahre Schwarzer Geschichte auf drei Kontinenten. In 78 unterschiedlich langen Kapiteln behandelt der Autor ausgewählte Entwicklungen, Ereignisse und Personen – von frühen Hochkulturen über Sklaverei und Kolonialismus bis in die Gegenwart.
Levin vergleicht die afrikanischen (und arabischen) Ausprägungen der Sklaverei und zeigt, dass das Leben der Versklavten in den Amerikas besonders grausam war. Eindrücklich ordnet er die haitianische Revolution ein und macht deutlich, wie die von Frankreich erzwungenen Reparationen – nicht etwa an die befreiten Sklav:innen, sondern an deren ehemalige Besitzer – den jungen Staat dauerhaft schwächten. Differenziert berichtet der Autor über Quilombo dos Palmares, eine berühmte Gemeinschaft entflohener Sklav:innen in Brasilien. Anstatt diese zu idealisieren, werden neben den solidarischen auch die autoritären Strukturen des Zufluchts- und Widerstandsortes beschrieben. Das Ende des jahrhundertelangen atlantischen Sklav:innenhandels wurde nicht nur durch humanistische Ideen eingeläutet. Auch zunehmende Sklav:innenaufstände trugen dazu bei, dass diese Strategie als weniger profitabel galt. Zudem war die westliche Industrialisierung zunehmend auf Rohstoffe anstatt Arbeitskräfte angewiesen. Diese Entwicklungen läuteten die Epoche der Kolonialisierung ein, die für die meisten afrikanischen Länder erst in den 1960er Jahren endete. Obwohl Liberia nie von europäischen Mächten kolonisiert wurde, beurteilt Levin dessen Geschichte kritisch. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Kolonie von befreiten Sklav:innen aus Amerika gegründet. Dort wurden die Rückkehrenden allerdings selbst zu Unterdrückenden der indigenen Bevölkerung. Positiv hebt Levin die Frauenbewegung hervor, die 2003 den Weg für demokratische Veränderungen ebnete.
„Black History“ ist eine lohnenswerte Lektüre, die die nuancierte Geschichte Afrikas für deutschsprachige Leser:innen auf eingängige Weise vermittelt. Das Buch macht deutlich, welch wichtige Rolle afrikanische Geschichte für die moderne Geschichte spielt.








