Auch wenn - wie in diesem Band - das Fehlen einer fächerübergreifenden Ingenieursausbildung und Technikbewertung wohl zu Recht beklagt wird, zeigt sich, dass das Problembewusstsein in diesem Bereich an Terrain gewinnt. Von den 20 hier versammelten Beiträgen sei an erster Stelle auf Günter Rapohls Überlegungen hingewiesen. Er legt überzeugend dar, dass individuelle Ethik überfordert ist, wenn es darum geht, den Anforderungen kollektiver Technikkontrolle gerecht zu werden. Grund dafür sind praktische Restriktionen (Arbeitsrecht, organisatorische Begrenzungen, qualifikatorische Defizite) wie auch theoretische Probleme der Beurteilung' negativer Technikfolgen. Rapohl plädiert für eine Reform des Arbeitsrechts und der Ingenieursausbildung, die Einrichtung unabhängiger Ethik-komissionen und Unterstützungsfonds für "Dissidenten". "Das Recht im Umgang mit dem Ungewissen am Beispiel der Regelungen zu Produkt-, Gentechnik und Umwelthaftung" ist Gegenstand Fritz Nicklischs; H. Maier-Leibnitz und Anton Bayer stellen im Zusammenhang mit der Atomtechnologie kritische Fragen. Neben einem Beitrag über Technikgläubigkeit im Bereich der Informatik (H. Röpke) nehmen sich H. M. Kepplingers Ausführungen zur Technikdarstellung in den Medien überraschend konservativ aus: Technikbezogene Ängste der Bevölkerung hält er nicht für eine Wirkung, sondern Ursache einer Berichterstattung, die gegenwärtig sachbezogen und wahrheitsorientiert im Sinne einer rationalen Klärung von Alternativen augenblicklich nur sehr schwer möglich ist". Dem Selbstverständnis des Ingenieurberufs sind weitere Texte gewidmet, und ein Verzeichnis einschlägig relevanter Ehrenkodices beschließt den Band, der aufgrund seiner insgesamt ebenso vielfältigen wie gründlichen Analyse des komplexen Gegenstandes Beachtung verdient. Technikfolgenabschätzung Wissenschaft: Ethik 

Technikverantwortung. Güterabwägung - Risikobewertung - Verhaltenskodices. Hrsg. v. Hans Lenk ... Frankfurt/M. (u.a.): Campus-Verl., 1991.353 S., DM 65,-1 sFr 55,10 1 öS 507