Der Herausgeber unterscheidet in seinem einleitenden Beitrag folgende Themenschwerpunkte: die Klärung der Ursachen ökologischer Probleme, die normative Orientierung unseres praktischen Verhaltens sowie deren konkrete Wirksamkeit. In dem Dilemma zwischen technisch gemachter Erweiterung menschlicher Daseinschancen und der daraus resultierenden Krise der Ökologie entsteht für Reinhart Maurer die Problematik der ökologischen Ethik. Er sieht die Antwort nicht im Verzicht auf Naturbeherrschung, sondern in der Kultivierung der Frage: "Worin liegen neue oder andere Glücksmöglichkeiten, die dem Menschen von Natur gegeben sind? «   Alfons Auer befürwortet eine eingeschränkte Anthropozentrik unter anderem mit dem Hinweis darauf, daß die anthropozentrische Option gegenüber der physiozentrischen eine "höhere sachliche Plausibilität" besitze. Unter dem Titel "Schöpfung ist mehr als Umwelt" tritt Gotthard M. Teutsch für das Konzept einer Einstellungsbildung ein, um damit "ökologische Moral" im Bewußtsein und Handeln des Menschen zu wecken. Eine neue Schöpfungsethik überlegt Gerhard Liedke. Sie liegt in der Verminderung des Energieverbrauches und darin, daß nur so viel Gewalt gegenüber der außermenschlichen Schöpfung und gegen Mitmenschen ausgeübt wird, wie unumgänglich nötig ist. Kurt Bayertz sieht Analogien zwischen Medizin und Ökologie, betont aber, daß letztere anders arbeiten müßte wie das kritisierte Modell der Medizin, nämlich präventiv statt kurativ, kollektiv statt individuell. Schließlich erinnert Otto P. Obermeier an das Modell der "gespaltenen Verantwortung wonach der Wissenschaftler Verantwortung nur für die Erzeugung "wahren Wissens trägt, dessen Folgen aber zu selten reflektiert. Mit einer" Erweiterung der Wertbasis des Wissenschaftssystems " könnte das oben genannte Modell bestehen.

Ökologische Ethik. Kurt Bayertz (Hrsg.). München (u.a.): Schnell u. Stein er, 1988. 9 S. (Schriftenreihe der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg)