Fragen der Ethik gewinnen gerade im Zusammenhang mit der rasanten technischen Entwicklung immer mehr an Bedeutung für grundsätzliche Weichensteilungen. Allerdings hat sich bisher kein Orientierungsrahmen für rationale Technikanwendung entwickelt. Die Erarbeitung diesbezüglicher Kriterien hat sich die interdisziplinäre Ethikgruppe innerhalb der Technikforschung der Goethe-Universität Frankfurt zur Aufgabe gemacht. Die Beiträge des Buches beschäftigen sich u.a. mit der ethischen Einschätzung der Gentechnik. Da sie zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit diese als Ganzes zum Objekt macht, fordert Johannes Hoffmann ein Menschenrecht, das die Menschheit in ihrer Gesamtheit zu schützen vermag. Nach einem Überblick über das deutsche Gentechnikgesetz stellt er fest, daß eine weitere Auseinandersetzung mit der Gentechnik unbedingt notwendig sei, da das Gesetz aus 'ethischer Sicht keinen hinreichenden Schutz biete, So sei entgegen den Beteuerungen der Befürworter nicht definierbar, wo Gene nicht überleben können. Was tun etwa genetisch veränderte ölfressende Organismen, wenn sie ihre Schuldigkeit getan haben? In einem umfassenden Beitrag widmet sich Konrad Ott der Bestimmung und Kritik Irrationaler Technikadaption. Zu den sieben von ihm vorgestellten Fällen unnützer Anwendung zählen das Verwechseln äußerer Veränderungen mit technischen Verbesserungen, der Einsatz von Technik zur Verdeckung unbefriedigender sozialer Beziehungen oder die Verbindung technischer Geräte mit religiösen, menschlichen und biologischen Kategorien. Gerade den letzten Zusammenhang stellt Hans-Dieter Mutschier in seinem theologischen Beitrag fest, da die Theologie die Konfusion von Technik und Pseudoreligiosität nicht hinreichend kritisch durchleuchtet. So würden in der Beschreibung von Autos häufig religiöse Eigenschaften technikbezogen abgewandelt. Neben der "Apotheose des Automobils" wird in fünf Einzeluntersuchungen auch der vieldiskutierte Ethikbegriff von Peter Singer analysiert. Singer verwirft ja den Gedanken an den gleichen Wert allen menschlichen Lebens. Guido Knörzer weist einerseits die Irrationalität dieses Ansatzes nach, macht aber gleichzeitig auf die Defizite der Ethiktradition im kontinentalen Europa aufmerksam. R. M.

Ethische Vernunft und technische Rationalität - Interdisziplinäre Studien. Hrsg. v. Johannes Hoffmann. Frankfurt/M.: Verlag für Interkulturelle Kommunikation, 1992. 292 S. (Ethik-Gesellschaft-Wirtschaft; 1), DM 32,- / sFr 27,10/ öS 249,60