Neben den gesundheitlichen, ökonomischen und ökologischen Folgen des technischen Fortschritts finden heute auch die sozialen Auswirkungen Berücksichtigung. Die Zauberformel zur Lösung der bedrohlichen Folgen insbesondere der Großtechnologien heißt sozialverträgliche Technikgestaltung. Als politischer Streitbegriff kommt mit diesem Terminus der Konflikt zwischen ausreichenden Markt- und Politikmechanismen auf der einen und sichtbaren Defiziten eines vorsorglichen Umgangs mit unserer Zukunft auf der anderen Seite zum Ausdruck. In der Kontroverse um mögliche Zukünfte müssen Kriterien und Verfahren entwickelt werden, um die "Sozialverträglichkeit" herbeizuführen. Inhaltlich wird damit ein Programm umschrieben, das die bisher für ausreichend erachtete Steuerungsleistung des Staates in Frage stellt und die Partizipation der durch die technische Entwicklung besonders Betroffenen anstrebt. Das bisher Erreichte ist für Tschiedel lediglich ein Minimalkonzept, in "dem es darum geht, daß sich (...) der Status quo der gesellschaftlichen Interessenberücksichtigung und Bedürfnisbefriedigung nach dem Urteil der Mehrheit der Bevölkerung nicht verschlechtert". Mit Sozialverträglicher Technikgestaltung soll das Spannungsverhältnis zwischen Akzeptabilität als Eigenschaft der Technik und Akzeptanz als Bereitschaft der Betroffenen überwunden werden. Weder technisch orientierte Risikoforschung noch massenhafter Protest als organisierte Nichtakzeptanz genügen gegenwärtigen Anforderungen. Tschiedel macht deutlich, daß ausschließlich Partizipation geeignet ist, Akzeptabilität und Akzeptanz in sozial verträglich gestalteter Technik zu vereinen: Voraussetzung für die Teilnahme ist die verstärkte Aneignung von Wissenschaft durch die Bürger, um deren Exklusivität zu überwinden. Selbstkritisch folgt die Frage, ob nicht statt Partizipation die "sogenannten neuen Wissenschaften für die Soziologie nutzbar" gemacht werden sollten. Zugleich finden wir im Haushalt der Natur Norm und Muster für menschliches und soziales Handeln - sozusagen als Antrieb für eine soziale Technik. Dies heißt nichts anderes als "soziale Prozesse zu initiieren (...), durch die die betroffenen Menschen organisiert die Gestaltung ihrer Zukunft selbst in die Hand nehmen ".

Tschiedel, Robert: Sozialverträgliche Technikgestaltung. Wissenschaftskritik für eine soziologische Sozialverträglichkeitsforschung zwischen Akzeptabilität, Akzeptanz und Partizipation. Opladen: Westdt.-Verl., 1989. 196 S. (Studien zur Sozialwissenschaft; 74)