Acht Autoren aus Deutschland und Österreich, die entweder eine Philosophische Praxis betreiben, oder ähnliche Intentionen verfolgen, äussern sich zum Teil sehr kontroversiell dazu. Begreift man Philosophische Praxis als ein Vermittlungsgeschehen zwischen Problembereichen der realen Lebenswelt und den Potentialen der theoretischen, der praktischen und ästhetischen Vernunft, so ist sie die vorläufige und wahrscheinlich auch revidierbare Darstellung des informationellen Hintergrundwissens, auf das sich der eine oder andere Dialog bezieht. Siegfried Blasche (Bad Homburg) konzentriert sich auf die Darstellung des problematischen Verhältnisses zwischen Philosophischer Praxis und psychotherapeutischer Behandlung. Alexander Dill (Berlin) betont den Aspekt des politischen Handelns, während Steffen Graefe (Hamburg) sein Augenmerk auf die therapeutische Hilfe richtet. Peter Heintel (Klagenfurt) und Thomas H. Macho (Stadtschlaining) untersuchen die geschichtlichen und konzeptionellen Wurzeln der Methode. Gerhard Kaucic (Wien) begreift seine Tätigkeit als "dekonstruktives Unternehmen". Heinz Raditschnig (Klagenfurt). der die seit Jahren erfolgreiche Veranstaltungsreihe "Philosophie am Platz" initiiert hat, setzt sich mit Kritikern dieses neuen Berufszweiges auseinander, und Otto Teischel (Bonn) sieht in seiner Praxis eine realistische Alternative zu Psychotherapie, New Age Esoterik und anderen Stillegungs-Techniken. Günther Witzany (Salzburg) schließlich bestimmt Philosophische Praxis als Möglichkeit, angstlos mit der Angst umzugehen, die sich bei Menschen angesichts der globalen Kriseneskalation oft einstellt. Wer sich für dieses junge Arbeitsfeld interessiert und Einblick in angewandte Philosophie gewinnen will, findet hier erstmals theoretische Zugänge mit durchaus lebenspraktischen Inhalten.  

Zur Theorie der Philosophischen Praxis. Hrsg. v. Günther Witzany. Essen: Verlag Die Blaue Eule. 1991. 147 S., DM 38,- 1 sFr 32,50 1 öS 296,40