Angesichts der erreichten wissenschaftlichen und technischen Handlungskapazitäten hält der Autor eine zumindest zeitweilige" Hoffnungsaskese" für vernünftig. "Die Zukunft, lange Zeit Asyl der Hoffnung und Trost der Menschen ohne Vergangenheit, wird zum Anlass von Furcht und Depression." Enttäuschungen gehören demnach zu den gegenwärtig häufigen Erfahrungsformen. Mit seiner "Phänomenologie" will der Berliner Philosoph den Kreislauf von Enttäuschung und neuer Hoffnung durchbrechen. Zunächst wird die Krise der menschlichen Erfahrungen und Selbstentwürfe an zentralen Problemen der Gegenwart - Kommunikationsindustrie, Fortschrittsgewissheit, Avantgardismus - beschrieben. Ausführlich referiert der Autor dann über die Grenzen der Enttäuschbarkeit. Wenn nämlich Siege nicht mehr von Niederlagen zu unterscheiden sind, "weil die Sieger die Kosten ihrer Siege mitzutragen haben und weil die erbauten Utopien eine ungeahnte Verfehltheit der utopischen Pläne offenbaren", kommt es zu einer Selbstimmunisierung der Enttäuschungen, zu einer "angestrengten Nichtenttäuschbarkeit". Dass Enttäuschung oder ihre Wurzeln vielfach in falschen Wünschen hat, wird ebenfalls deutlich. Furth plädiert für einen" Realismus des Wünschens", der dieses reduziert und variiert. Aus Sicht des Rezensenten ist insofern Enttäuschung anzuzeigen, als diese interessante Thematik aufgrund der wissenschaftlich-philosophischen Verklärtheit den unmittelbaren Zugang nicht eben erleichtert. Philosophie

Furth, Peter: Phänomenologie der Enttäuschungen. Ideologiekritik nachtotalitär. Frankfurt/M.: Fischer, 1991. 104 S., DM 14,80 / sFr 12,50 1 öS 115,40