"Grameen" bedeutet in der Sprache der Bengali in etwa Dorf oder Land(gemeinde) und doch ist die Bank gleichen Namens, von der in dieser Studie berichtet wird, keinesfalls mit einem landwirtschaftlichen Kreditinstitut zu vergleichen, wie es bei uns bekannt ist. Grundsatz der auf ein entwicklungspolitisches Programm der Dag Hammarskjold Foundation aufbauenden Initiative ist es, gerade denjenigen Geld zur Verfügung zu stellen, zu deren Lasten für gewöhnlich nur Profite erwirtschaftet werden: Nach den Statuten der Bank bekommen vor allem jene ein Darlehen, die nicht mehr als einen halben Morgen Landes besitzen. Teilhaber der genossenschaftlich organisierten Bank sind vor allem Frauen, denen traditionellerweise kaum soziale, und schon gar keine „wirtschaftspolitischen" Rechte eingeräumt werden. Von den ca. 200.000 Mitgliedern der Bank stellen sie heute mehr als 70 Prozent. Doch nicht allein die basisdemokratische Struktur des "Unternehmens" und die damit einhergehende Überwindung herkömmlicher sozialer Strukturen ist beachtenswert. Den Erfolg der Initiative macht vor allem auch die Abkehr von herkömmlichen Maximen kapitalorientierten Wirtschaftens aus. An die Stelle expansiven Wachstums, dessen Sinnhaftigkeit auch in der dritten Welt zunehmend in Zweifel gezogen, wird, setzte man behutsames Vorgehen. Im Vordergrund stehen Parameter wie: selbstbestimmte Entwicklungspolitik und die Förderung humanen menschlichen Potentials, zu weichem Kreativität sowie die Überwindung z. B. auch frauenfeindlicher Gesellschaftsmuster zählen. Ein ermutigendes Beispiel alternativer Entwicklungspolitik, welche die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt und gerade deshalb auch in anderen Zusammenhängen beachtet und erprobt werden sollte.

Fuglesang, Andreas; Chandler, Dale: Participation as Process. What we can learn from Grameen Bank, Bangladesh. Hrsg. und zu beziehen über: Norwegian Ministry of Development Cooperation