Vorgestellt werden die wichtigsten Referate der vom Interdisziplinären Forschungsinstitut für Entwicklungszusammenarbeit der Universität Linz veranstalteten ”entwicklungspolitischen Hochschulwochen 1996". Hauptthemen waren die unterschiedlichen Theorien zur Erklärung von ”Unterentwicklung" und die Bedeutung der NGOs zur Überwindung dieser Situation. Wie meist bei solchen Dokumentationen können aus der Vielzahl an Beiträgen nur einige wenige angesprochen werden. Der Herausgeber tritt zunächst für eine Mehrebenenbetrachtung ein und meint damit nichts anderes als eine wirksame Zusammenarbeit aller Gruppen auf verschiedenen Ebenen der weltweiten Entwicklung. Der Entwicklungsexperte Franz Nuscheler argwöhnt gar, daß sich die Entwicklungstheorien in einem Stadium lähmender Übereinstimmung befinden, "die uns in eine intellektuelle Sklerose und entwicklungspolitische Ratlosigkeit versetzt hat". Er plädiert für den Widerspruch als Lebenselexier wissenschaftlicher Reflexion und eine neue Streitkultur, "weil die Widerspruchslosigkeit das Nachdenken über Entwicklungswege blockiert, die auch den ,Fußkranken der Weltwirtschaft' Entwicklungschancen eröffnet". Andreas J. Obrecht setzt sich für einen selbstreflexiven Optimismus in der entwicklungspolitischen Diskussion ein und sieht vielfältige Aufgaben und Erfordernisse für ein nachhaltiges entwicklungspolitisches Handeln, das aber im Rahmen partnerschaftlicher Zusammenarbeit realisiert werden muß. Ihm schwebt daher eine "neue Bescheidenheit" vor, wobei wir "von den sogenannten Marginalisierten dieser Welt" viel lernen können. Auch Hartmut Elsenhans gibt sich optimistisch, wenn er die Hilfe zum Übergang zu selbsttragendem Wachstum durch Exporte aus den Entwicklungsländern anregt. Es ist jedoch fraglich, ob die Chance der Integration in den "freien Markt" angesichts gegenläufiger Tendenzen realistisch ist. In sogenannten "Statements aus der Praxis" wird v.a. auf die Bedeutung von NGOs hingewiesen; Christoph Klatzer berichtet schließlich über Hintergründe, Erfahrungen und Eindrücke vom Aufstand der Zapatisten in Chiapas/Mexiko. Grundsätzlich scheint die Erwartung einheitlicher Strategien in der Entwicklungspolitik fehl am Platz zu sein, denn schon die wenigen hier vorgestellten Beiträge sind durchaus dazu angetan, kontroverse Diskussionen zu fördern. A. A.

Entwicklungstheorien im Widerspruch. Plädoyer für eine Streitkultur in der Entwicklungspolitik. Hrsg. v. Klaus Zapotoczky ... Frankfurt/M. (u.a.): Brandes und Apsel, 1997. 233 S. (Wissen & Praxis; 69) DM 29,80/ sFr 27,50/ öS 218,