"Der Graben zwischen dem, was wir wissen und begriffen haben, und dem, was geschieht, wird immer tiefer, und er füllt sich mit stinkendem Wasser." Erhard Eppler, einer der politischen Vordenker in Deutschland, bringt das Dilemma von 25 Jahren Umweltpolitik in seinem Land auf den Punkt. Er ist einer der dreißig in diesem Spiegel-special porträtierten Vorkämpferinnen deutschen Umweltengagements, das Erreichtes wie Versäumtes, Erfolge wie Mißerfolge kritisch aufzeigt.

Die dokumentierten ökologischen Schadensberichte - vom Sterben der Wälder über die Zunahme der von Umweltgiften verursachten Krankheiten bis hin zur planetarischen Klimaveränderung - stimmen bedenklich und geben Eppler Recht. Die Beispiele erfolgreichen Widerstandes etwa gegen Atomkraftanlagen, Giftfabriken oder Tierversuche sowie die konkreten Projekte, die Neues versuchen - vom Energiesparen durch Solararchitektur über die grüne Bank bis zum gemeinsam geplanten Oko-Stadtteil - machen hingegen Hoffnung. Zugleich verdeutlichen sie, daß es immer konkreter Menschen bedarf, die mit Phantasie und Ausdauer  ihre einmal als richtig erkannten Ziele verfolgen. Wissenschaftler wie der Physiker Hans-Peter Dürr, der seine 1,5 Kilowatt-Gesellschaft vorstellt, gehören hier ebenso dazu wie die zahlreichen UmweltaktivistInnen, die mit ihrem Engagement festgefahrene Strukturen ins Wanken bringen wollen.

Ansprechende Gestaltung und große Auflage lassen hoffen, daß diese Standortbestimmung - insgesamt werden 32 Umweltbereiche kritisch unter die Lupe genommen - seine Wirkung tut und den Graben zwischen Wissen und Handeln zu verringern hilft. Kritische Dokumentationen wie diese, die die anstehenden Probleme einem breiten Publikum vermitteln, werden vielleicht heute dringender gebraucht als weitere wissenschaftliche Untersuchungen, geht es nun doch darum, dem Wissen Schritte des Handelns folgen zu lassen.

H. H.

Ökobilanz '95. Wege aus der Weltkrise. Spiegel special 2/1995. Eigenverl. Hamburg. 186 S.

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