Nach dem "Umwelt-Report" ist dieses Buch ein weiteres Dokument über den Zustand von Österreichs Umwelt und ihre politischen und behördlichen Verwalter. Es entstand auf Grundlage eines Projekts, das vom "Österreichischen Ökologie-Institut" in Zusammenarbeit mit dem „Interuniversitären Forschungsinstitut für Fernstudien (IFF) durchgeführt wurde. Geprüft wurde jedes einzelne Bundesland auf den Zustand von Luft, Wasser, Wald, Abfall und Naturschutz.

Im Gegensatz zu den USA und Japan begann hierzulande eine koordinierende Umweltpolitik erst ziemlich spät - im Anschluß an die Volksabstimmung über Zwentendorf (1978). Die umweltpolitischen und -rechtlichen Maßnahmen der 80er Jahre haben aber bereits eine gewisse Stagnation im Verbrauch von Ressourcen, zur Verbesserung der Luftqualität und zur Verminderung des Müllvolumens geführt.

Die detaillierte Analyse weist jedoch nach wie vor erhebliche Defizite auf. Hingewiesen wird auf die fatale Tendenz, Grenzwerte so festzulegen, "daß die Wirklichkeit gerade nicht an sie anstößt" (Beispiele: Diesel-LKW und Nitratgehalt des Trinkwassers). In Österreich betragen die Investitionen für den Umweltschutz ungefähr 1% der Wertschöpfung. Im Vergleich mit anderen westlichen Industriestaaten liegen wir damit im unteren Bereich der Statistik. Auch die Nutzung des "Öko-Fonds" durch die Industrie ist minimal. Das legt den Schluß nahe, daß das so bleiben wird, solange das Verursacherprinzip nicht konsequent angewendet wird. Der Bundesländervergleich weist je nach Bewertungskriterium erhebliche Unterschiede nach:

Die Umweltqualität ist in Salzburg, Wien und Vorarlberg am besten, in Kärnten, Nieder-, und Oberösterreich teils erheblich schlechter. Die Gesamtbeurteilung soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß erhebliche Differenzen im Detail liegen. So werden in einem Bundesland etwa sinnvolle Maßnahmen zur Luftreinhaltung getroffen, hinsichtlich des Trinkwassers aber unzureichende Aktivitäten gesetzt. Länder mit guter Umweltpolitik liegen im Bereich Qualität nicht im Vorderfeld, Kärnten schneidet übrigens in fast allen untersuchten Bereichen schlecht ab: "Man ist versucht zu sagen, ein schönes Land, aber besser für Kurzurlaube als für den Daueraufenthalt. "

Die Umweltpolitik der Zukunft wird weniger als bisher ein Erfolgsterrain sein, "auf dem Politiker sich durch kurzfristig wirksame Taten profilieren können". Die Autoren betonen, daß es vielmehr grundlegender gesellschaftspolitischer Anstrengungen bedarf, um merkliche Verbesserungen zu erzielen. Genannt werden sechs Forderungen für eine erfolgreiche Zukunftsstrategie: "Aber es gibt in Österreich keine Anzeichen für die nötige politische Phantasie und Kraft, sie in die Wege zu leiten.

Öko-Bilanz Österreich. Zustand, Entwicklungen, Strategien. Hrsg. v. Marina Fischer-Kowalski. Wien (u. a.): Falter, 1988.319 S. DM 29,80/ sfr 25,80 / öS 232,80