Die hier gesammelten Beiträge gehen auf das im Dezember 1985 an der Universität Linz abgehaltene Symposion "Neue Wege im Gesundheitswesen II“ zurück. Beachtenswert war vor allem die Auseinandersetzung auf interdisziplinärer Ebene mit dem Ziel einer Optimierung der Tätigkeiten von ärztlichen und nichtärztlichen Berufsgruppen. In verschiedenen Arbeitskreisen wurden Fragen der Gesundheitsgefährdung in Ballungsräumen, Effektivitätskontrolle und Finanzierbarkeit verschiedenster Versorgungseinrichtungen, Altenbetreuung, Interaktionen zwischen den Lebensbedingungen am Arbeitsplatz und in der Freizeit sowie psychiatrische Organisationsmodelle diskutiert.

Heute genügt die Sicht von Gesundheit als Fehlen von Krankheiten nicht mehr. Gesundheit. muß vielmehr dynamisch - alle Lebensbereiche umfassend - verstanden werden. Die Medizinsoziologie wird im modernen Gesundheitswesen ein zunehmend bedeutender Faktor. Für künftige Entwicklungen im Gesundheitswesen konnten allerdings aufgrund der "Multifunktionalität" des Themas in diesem Rahmen nur Anregungen für gezielte Forschungsprojekte gegeben werden. Exemplarisch seien hier einige Ergebnisse aus den Arbeitskreisen genannt. In Ballungsräumen besteht nach Auffassung der Arbeitsgruppenteilnehmer ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Es wurde eine Untersuchung vorgestellt, "die mögliche Zusammenhänge zwischen kindlichen Kehlkopfentzündungen und Luftschadstoffen aufzeigt". Insgesamt wird betont, daß "eine Beschäftigung mit den Ursachen und Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf das menschliche Leben nur unter Berücksichtigung sozialer und psychosozialer Aspekte sinnvoll ist". Das Zusammenspiel verschiedenster beruflicher und außerberuflicher Faktoren spielt dabei eine wichtige Rolle. Ganzheitliche Altenbetreuung unter ·Berücksichtigung mehrerer Dimensionen wird gefordert. Hinsichtlich einer sozialpsychiatrischen Betreuung wurde besonders auf die Kombination von professioneller Hilfe und Eigenhilfe hingewiesen.

Eine sich verschärfende wirtschaftliche Krisensituation und ein überholtes System der Sozialversicherung machen es notwendig, unser Gesundheitswesen "Gesünder" zu machen. Abseits von konkreten Empfehlungen wird deutlich, wie lange der Weg bis zu einem neuen finanzierbaren und wirksamen Konzept ist. Die Abkehr vom Glauben an die "Götter in Weiß" und die Hinwendung zur Eigenverantwortlichkeit kann nicht von heute auf morgen einsetzen. 

Gesellschaft & Gesundheit. Zur Diskussion neuer Wege im Gesundheitswesen. P. Berner; K. Zapotoczky (Hrsg.). Linz: Veritas, 1988.421 S. DM 38,-/sfr 32,40/öS 298,-