Mit dem aktuellen Gesundheitsvorsorge-, -erhaltungs und -wiederherstellungssystem in Deutschland ist kaum eine der beteiligten Gruppen wirklich zufrieden - und in Österreich ist die Situation nicht wesentlich anders. So gibt es seit den 70er Jahren alternative Entwürfe zur herkömmlichen Arztpraxis bzw. Klinik, die sog. Schulmedizin und homöopathische Methoden verbinden, die Patienten verstärkt in den Mittelpunkt ganzheitlicher Hilfe stellen und zur Selbsthilfe anregen. Etliche Vertreter der hier zu Wort kommenden Gruppen halten dafür, daß in Zukunft Patient und Arzt aktiver und eigenverantwortlicher handeln sollen, z. B. durch Fortbildung auf der einen und per Vorsorge auf der anderen Seite. Das Absicherungssystem nicht mit zu hohen Kosten und Ansprüchen zu belasten und damit die Solidargemeinschaft der Versicherten aufrechtzuerhalten ist dabei eine der Überlegungen. Wie Gesundheit, das Verständnis von ihr und der Umgang mit ihr in etwa 30 Jahren aussehen werden, ist jedoch keine Frage der linearen Entwicklung der Gesundheitspolitik, sondern steht in untrennbarem Zusammenhang mit anderen Entwicklungen: mit der technischen ebenso wie mit der ökologischen und sozialen. Steinmüller und Göpel zeigen Rahmenbedingungen auf, die das Gesundheitsbild prägen, verdeutlichen, wie sich dieses manifestierte und welche Bandbreite an Möglichkeiten für die Zukunft offenstehen bzw. diskutiert werden; wie damit praktisch umzugehen ist und wie die Beteiligten gestaltend eingreifen, wird in den Projekten verschiedener Gruppen dargestellt. Beispielsweise hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientinnen die Vision, daß die Gesundheitsbewegung der 70er Jahre sich durchsetzt und eine hochkomplizierte medizinische Technik gegenüber dem Betroffenen in den Hintergrund treten. Beate Herzog, Vertreterin der Feministischen Frauengesundheitszentren, fordert eine neue Definition von Krankheit und Gesundheit. Nicht natürliche Lebensverläufe wie Pubertät und Wechseljahre seien an sich als leistungsmindernde Krankheit zu verstehen, Funktionsstörungen seien vielmehr Folge negativer sozialer- und ökologischer Einflüsse. S.Sch.

Zukunft der Gesundheit. Hrsg. v. Günter Hölling ... Frankfurt/M.: Mabuse-Verl., 1995. 271 S.,