
„Sie bekommen sicher nur Ihre Tage!“ – „Ich rate Ihnen, nehmen Sie mal etwas ab, dann klappt es vielleicht auch mit einer Schwangerschaft.“ Solche Sätze hören Frauen in Arztpraxen und in ihrem sozialen Umfeld immer wieder. Christina Pingel greift diese und viele weitere Beispiele in „Diagnose Frau“ auf, um zu zeigen, wie oft Frauen in der Medizin nicht ernst genommen werden – mit teils dramatischen Folgen. Pingel erzählt ihre eigene Geschichte: Als sie neun Jahre alt war, erlitt ihre Mutter wegen eines unzureichend behandelten Herzleidens einen Herzstillstand. Nach einer Reanimation kam sie schwerbehindert ins Pflegeheim und starb einige Jahre später. Später spürte Pingel bei sich selbst ähnliche Symptome. Und erlebte sie eine wahre Odyssee: Ihre Beschwerden wurden oft abgetan, mit psychisch labil abgestempelt, Diagnosen blieben aus. Das Buch zeigt auf, dass solche Erlebnisse keine Einzelfälle sind. Pingel verbindet ihre persönliche Geschichte mit fundierten Fakten, die verdeutlichen, wie systematisch Frauen in der Medizin benachteiligt werden. Medikamente werden oft nur an Männern getestet, obwohl Frauen anders darauf reagieren können. Krankheiten äußern sich bei Frauen teilweise anders als bei Männern, doch dieses Wissen wird in der medizinischen Ausbildung kaum vermittelt. Pingel schreibt klar, mitreißend und verständlich. Sie ist wütend, aber bleibt sachlich und überzeugt durch ihre sorgfältige Recherche. Das Buch ist nicht nur eine Anklage gegen ein veraltetes Gesundheitssystem, sondern auch eine Ermutigung für Betroffene, sich für ihre Rechte stark zu machen. Die wichtigste Botschaft Medizin muss alle Menschen gleichbehandeln, unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Es darf nicht sein, dass Frauen weiterhin unter Vorurteilen und Ignoranz leiden, die ihre Gesundheit gefährden. Dieses Buch ist aufwühlend, berührend und wichtig. Es klärt auf und zeigt, dass Veränderungen dringend nötig sind. Christina Pingel hat ein Werk geschaffen, das Mut macht, hinschaut und zum Handeln aufruft.







