Ende 1995 fanden die ersten "Wuppertaler Gespräche" statt, die Bedingungen einer menschengerechteren, zukunftsfähigen Medizin herausfinden wollen und dazu wissenschaftliche und praktische Mediziner und Medizinhistoriker (u.a. Peter Matthiessen, Gerhard Ott. Hans Schadewaldt, Heinz Schott), Vertreter von Krankenkassen und Gesundheitspolitiker (Eckart Fiedler, Jürgen Wentzek) mit Ökologen (Ernst-Ulrich von Weizsäcker, Friedrich Schmidt-Bleek) um einen Tisch versammelten. Der Wissenschaftspublizist Huncke hat Vorträge und Diskussionen des Symposiuns im vorliegenden Band zusammengestellt und selbst einen einführenden Beitrag geliefert. Durch die zunehmende Technisierung der heutigen Medizin tritt die Beziehung zwischen Arzt und Patient hinter die Apparate zurück, medizinische und Umweltkatastrophen wie Contergan, Seveso oder Bhopal haben die Skepsis vieler Menschen gegenüber einer sich als Naturwissenschaft verstehenden Medizin noch verstärkt und schaffen alternativen Methoden oder gar Wunderheilern Zulauf. Zudem stößt die Finanzierbarkeit des Systems an Grenzen. Eine Lösung für dieses Dilemma kann nur in einem medizinischen wie gesellschaftlichen Umdenken liegen, das eher das Gesundbleiben als die Krankheit in den Mittelpunkt stellt und die Medizin daher nicht so sehr als Reparaturbetrieb fungiert, sondern ihr Wissen für die Vermeidung insbesondere von typischen Zivilisationskrankheiten wie Streß, Diabetes oder Rheuma nutzt. Damit hätte ein Abbau des enormen Ressourcen- und Energieverbrauchs zugunsten verstärkter menschlicher Zuwendung Hand in Hand zu gehen. Das Buch dokumentiert eine weitgehende Übereinstimmung der Symposiumsteilnehmer bei der Diagnose der Schwächen unseres heutigen Gesundheitswesens, die Formulierung von Alternativen bleibt aber leider noch etwas im al/gemeinen. Die geplante Fortführung der "Wuppertaler Gespräche" sollte sich um diese Konkretisierung bemühen.  A. R.

Zukunftsfähige Medizin. Ärzte und Ökologen im Dialog. Hrsg. v. Wolfram Huncke. Basel: Birkhäuser, 1996. 134 S. (Wuppertaler Texte)