Die nunmehr 14. Publikation der Reihe "Wissenschaft und Frieden" berichtet von der Münsteraner Tagung der Informationsstelle Wissenschaft und Frieden und des Arbeitskreises Münsteraner WissenschaftlerInnen für den Frieden vom 16./17. November 1990. Dokumentiert werden Diskussionen über Inhalte, Aufgaben, Selbstverständnis, gesellschaftliche Rolle und Arbeitsbedingungen (etwa Finanzen) der Friedenswissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland ebenso wie konkrete Berichte von Forschungsprojekten. Die Perspektiven der Friedensforschung in der postkonfrontativen Ära des Kalten Krieges weg von der Reformorientierung der 8Der Jahre (etwa Anregungen zu Rüstungskontrolle und militärischen Defensivkonzepten) hin zur grundsätzlichen „Entmilitarisierungsforschung" bringt der Berliner Konfliktforscher Ulrich Albrecht auf den Punkt: "Nicht die mögliche Dämpfung des Wettrüstens, Schadensbegrenzung, steht auf der Tagesordnung, sondern das Vordenken eines Lebens ohne Militär." Und damit die Überwindung des Rüstungsirrsinns, neben dem Hunger in der "Dritten Welt" und des zerstörerischen Umgangs mit der natürlichen Umwelt eine der Manifestationen der "epochalen Barbarei" unserer modernen Gesellschaften. Besinnung auf die Kritik der herrschenden Politik (über Politikberatung hinaus), Ausweitung der Handlungsspielräume für Alternativen (..Friedensforschung ist wesentlich auch Demokratisierungsforschung", AIbrecht) sowie konkrete Ansätze für Rüstungskonversion werden als zentrale Aspekte genannt. Ausführungen zur „Rüstungsdynamik heute" (Komplex der Rüstungsforschung, Weiterverbreitung von Rüstungstechnologie etwa am Beispiel Naher Osten, u.a.) sowie zur Rüstungskonversion (regionale Programme und Projekte in Deutschland) machen demnach auch einen großen Teil der Arbeitskreisberichte aus. Weitere Themen: Abrüstung überprüfen (Verifikationsfragen), Ökologische Sicherheit. Ökologie und Militär, innerer und äußerer Friede (mit wertvollen Beiträgen aus der Sozialpsychologie). An Bedeutung gewinnt - so ein Beitrag aus Münster - der Bereich der „Friedenslehre ", Sie umfasst die Vermittlung und lnstitutionalisierung von Inhalten der Friedens- und Konfliktforschung in schulischer und universitärer (Aus-) Bildung. Nach dem" Handbuch Friedenswissenschaft" (Wissenschaft und Frieden Bd. 13) legt dieser informative Tagungsbericht erneut Zeugnis ab von der Bedeutung der Disziplinen übergreifenden Kooperation friedensengagierter Wissenschaftlerinnen, eine Kooperation, die angesichts der nach wie vor eklatanten Vernachlässigung der Friedensforschung in der Bundesrepublik (es wird anderswo nicht anders sein) an Wichtigkeit gewinnt: 3,4 Mio. DM öffentlicher Unterstützung für Friedens- und Konfliktforschung standen im Haushaltsjahr 1990 an die 4 Mio. DM für Militär- und Rüstungsforschung gegenüber, so Corrinna Hauswedell von der Informationsstelle Wissenschaft und Frieden im Abschlussbericht des Bandes. Diese Diskrepanz trotz Entspannung und Abrüstungsgerede lässt erkennen, dass Politik nach wie vor von Partikularinteressen bestimmt wird, und wir weit vom Ideal der Durchsetzung des besseren Arguments entfernt sind. 

Frieden gestalten nach dem Kalten Krieg. Neue Projekte der Friedenswissenschaft. Hrsg. v. Kathleen Baatke; Bonn: Eigenverl., 1991. 258 S. (Schriftenreihe Wissenschaft und Frieden)