Das Schulwesen der Gegenwart hat mit der gesellschaftlichen Entwicklung ebenso wenig Schritt gehalten wie mit den inzwischen gewonnenen Erkenntnissen der Psychologie, Verhaltensforschung oder der Gruppendynamik. Die Schulen von heute sind nicht Lebens- und Erfahrungsraum, nicht die kleine polis, an deren Idealen, Aufgaben und Problemen die jungen Menschen sich bewähren lernen, was sie in der großen polis erwartet, sondern noch immer Belehrungs- und Bewahrungsanstalt, Treibhaus, Schonraum, Sortieranstalt. Sozialstation oder alles zugleich. Eine neue Schule, deren Notwendigkeit in Fachkreisen wohl niemand ernsthaft in Frage stellt, braucht aber auch neue Lehrer. Lehrer, die nicht wie bisher von der Schulbank und von der Universität, sondern aus der Welt des wirklichen Lebens kommen, in dem es das Geschehen gibt, das es zu reflektieren und dialogisch zu vermitteln gilt, um darin eigenständig und selbstbewußt zu bestehen. Die im vorliegenden Buch zu Wort kommenden neun Autoren beleuchten die mannigfaltigen Grundprobleme der Lehrerausbildung aus recht unterschiedlichen Blickwinkeln, stellen theoretische Ausbildungsmodelle vor und geben einen Überblick über jene Reformprojekte, die an den Universitäten in Bielefeld, Hamburg und Kassel erarbeitet und teils auch in der Praxis erprobt werden konnten. Sie lassen erkennen, daß eine Lösung der Probleme dieser Welt nur dann eine Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie umfassend in Angriff genommen wird. R. T.

Lehrerbildung neu denken und gestalten. Neue Lehrerbildung und Schulentwicklung. Hrsg. v. Dagmar Hänsel ... Weinheim (u.a.): Beltz-Verl., 1995. 195 S.