Spektakuläre Aktionen vor Atomkraftwerken oder anderen Brennpunkten technologischer Hybris sind nur eine Seite von GREENPEACE. Denn wie der hier vorgestellte Band eindrucksvoll beweist, stellt mehr und mehr auch Ökopädagogik ein zentrales Anliegen der Organisation dar. Nicht weniger als 18, allesamt empfehlenswerte, Beiträge enthält dieser Band, der mit einer kritischen" Bilanz aus 20 Jahren Umwelterziehung" eingeleitet wird. Gestützt auf empirisch erhobene Daten belegen G. de Haan/U. Kuckartz einige interessante Phänomene in Sachen Umweltbewußtsein. So gibt es "eine ganz erhebliche Differenz zwischen dem, was Menschen für richtiges Umwelthandeln halten, und dem was sie tatsächlich tun", ist das Umweltwissen bei Männern fast durchwegs größer als bei Frauen, bei diesen jedoch das -bewußtsein und die persönliche Betroffenheit stärker ausgebildet. Ph. Gonon setzt sich im folgenden mit der Vermittlung umweltorientierter Handlungskompetenz an Schulen auseinander und plädiert dafür, "den Unterricht nicht in Betriebsamkeit enden zu lassen, sondern auch die kontemplative Seelenhaltung zu entwickeln". In dieser Hinsicht wird er von der Psychotherapeutin B. Schärli-Corradini unterstützt, die anhand eines konkreten Falls eindrucksvoll das Leiden junger Menschen an der Gefühllosigkeit der Erwachsenen thematisiert und in diesem Zusammenhang von "Innenweltzerstörung" spricht. Offenheit gegenüber der grundsätzlichen Widersprüchlichkeit, die "Bejahung der verletzlichen Seiten der Menschen" und Familienkonferenzen werden als mögliche Gegenstrategien benannt. Praktische Beispiele von “Umweltbildung als sozialem Lernen" vermittelt der 2. Teil des Buches. U .a. steuert St. Jost ein Plädoyer für den Wald als Ort der Entwicklung von Langzeitbewußtsein und sozialer Kompetenz bei, ein anderer Beitrag verdeutlicht, daß Umweltbildung nicht nur ökologische Themen, sondern gesellschaftliche Handlungssysteme reflektieren müsse. Daß primär die Gesellschaft und weit weniger die Natur in Sachen Umwelt die "entscheidende Unbekannte" sei, meint auch W. Zierhofer, der die" Tiefenökologie " des norwegischen Philosophen Arne Naes vorstellt. Die Förderung sprachlicher Kompetenz, die verstärkte Nutzung audiovisueller Medien (eingefordert von Bernd Lötsch), die verbindliche Beteiligung von Jugendlichen an politischen Entscheidungsprozessen (u. a. an konkreten Beispielen wie" Mini-München" vermittelt)' sowie die positive Rolle von Musik oder die Arbeit von und mit "Greenteams" in "Umweltcamps" sind einige der in Teil 3 präsentierten neuen Ansätze der Umweltbildung. Weitere konkrete Beispiele der Vermittlung ökologischer Handlungskompetenz -, hervorgehoben sei das folgenreiche Tiroler Projekt "Schülerinnen und Schüler machen kommunale Energiepolitik" schließen diesen anregenden Band ab. WSp.

Neue Wege in der Umweltbildung. Beiträge zu einem handlungsorientierten und sozialen Lernen. Red.: Kuno Roth ... Hrsg. v. GREENPEACE. Liechtenau. (u.a.): AOL (u.a.), 1995. 287S.