"Ein Buch gegen das Vergessen, Verdrängen und Legitimieren des Golfkrieges. Gleichzeitig aber auch ein Buch gegen den Krieg generell", so der Herausgeber des umfangreichen, insgesamt 18 Beiträge umfassenden Werkes. Neben verschiedenen Erfahrungsberichten u.a. von Mitgliedern der IPPNW, einigen Friedensforschern und Umweltexperten sei besonders auf den Beitrag Johan Galtungs hingewiesen, der insgesamt 14 Konfliktbereiche im Nahen Osten auflistet. Sie reichen von den Ressourcen Öl und Wasser über die Frage der Grenzen und Hegemoniebestrebungen regionaler wie externer Mächte bis hin zu psychologisch-kulturellen Faktoren wie religiösen Differenzen (Islam/Christentum) und historischen Traumata. Nicht weniger wertvoll als die Detailanalysen sind die grundsätzlichen Ausführungen. Dazu zählen Ekkehart Krippendorffs Epilog über die "Weltmilitärordnung" und ihre „Commanders" ebenso wie Horst E. Richters sozialpsychologische Analyse über die Verführbarkeit durch die Politik der Stärke. Unter anderem führt Richter die starken Proteste in Deutschland - ähnlich wie Margarete Mitscherlich-Nielsen in ihrem Beitrag - auf einen "gesunden Lernprozess" aus der "moralischen Katastrophe" der deutschen Geschichte zurück. Bemerkenswert sind auch die Ausführungen des Islamisten Reinhard Schulze über der "Verlagerung des Ostens in den Orient". Zuletzt seien zwei Beiträge aus der Friedensbewegung erwähnt: Jörn Böhme erörtert das Verhältnis der deutschen Friedensbewegung zu Israel, Henning Zierock und Bertram Salzmann von der Initiative" Kultur des Friedens" berichten von internationalen Friedenscamps vor und während des Krieges im Irak. Darüber hinaus werden Perspektiven und Konsequenzen für die Friedensarbeit nach dem Golfkrieg erörtert, wobei eine stärkere internationale Vernetzung (etwa mit der amerikanischen Friedensbewegung und mit Initiativen in den Krisenzonen) sowie konkreter Druck auf die reale Politik (" Vergesellschaftung der Außenpolitik") als vordringlich genannt werden. Eine" Europäische Friedensinitiative" - so die Autoren - wurde in Kooperation mit einigen Euro-Parlamentarierlnnen bereits gegründet. Die Selbstorganisierung von unten ist Thema des Vorworts von Robert Jungk, der im Golfkrieg die "bisher gefährlichste Episode" in dem" Konflikt zwischen der armen Mehrheit und der reichen Minderheit einer rapide anwachsenden Weltbevölkerung" sieht. Eine wertvolle Textsammlung, die dazu anspornt, noch mehr darüber nachzudenken, warum sich noch immer die vereinfachende Politik der Lösung gordischer Knoten durch ,,Schwertgehalt" (Krippendorf) durchsetzt und nicht etwa Lösungswege, wie sie Johan Galtung und andere darlegen.

Nachgedanken zum Golfkrieg. Hrsg. v. Georg Stein. Mit e Vorwort von Robert Jungk. Heidelberg: Palmyra-Verl., 1991. 300 S., DM 29,90 / sFr 25,30 / öS 232,40