Äußerst heterogen sind die Themen, die in den 23 Beiträgen dieses Bandes aufgegriffen werden. Es fällt nicht leicht, einen verbindenden Faden zu finden. Am ehesten ist es die Ambivalenz der (europäischen) Moderne am Ende dieses Jahrhunderts, die mehrfach wiederkehrt - in der Spannung zwischen Globalisierung und neuem Nationalismus, zwischen Zivilisation und Barbarei, zwischen Vernunft und Irrationalität, Realität und Virtualität, Information und Überinformation, Beschleunigung und Ausstieg, Wohlstand und Katastrophe, Körper und Körpermaschinen. Der Band verführt zum Zitieren, nicht die Sprache der Soziologie, vielmehr die des Essays gibt ihm sein Besonderes, das sich am ehesten an Beispielen vorstellen läßt. "Wo immer wir sind, nie scheinen wir angekommen zu sein, bald genug wollen wir weiter, woanders hin, in ein anderes Land, ein anderes Klima, zu einer besseren Arbeit in eine schönere Wohnung, zu einem befriedigenderen Partner, zu einer authentischeren Erfahrung", so etwa Hans Peter Dreitzel. Sein Plädoyer: Der Ausstieg aus der Beschleunigung ist denkbar, er hat an der "Achse des Kreisels", also im "Inneren des Subjekts" anzusetzen. Sein Kollege von der FU Berlin, Thomas Macho, verwehrt sich gegen die “Trivialisierte Dialektik" vom "Rückfall in die Barbarei", denn der "Nationalismus ist nicht Reaktion auf Vergangenes, sondern auf Künftiges: ein Versuch, dem Homogenisierungs-, Anonymisierungs- und Mobilisierungsprozeß der Moderne durch eine artifizielle Grenz- und Differenzproduktion zu begegnen". "Die globale Revolution der Industriegesellschaft und nicht die europäische Evolution zur postindustriellen Gesellschaft" macht etwa Hermann Schwengel als das Bestimmende der gegenwärtigen Weltentwicklung und das Jahr 1989 als markantes Datum hierfür aus. Mehrmals thematisiert wird die Rolle der Medien und ihre Gefahr der Beliebigkeit: "Wetter, Politik, Amokläufer - das alles wird zu Bildpartikeln, die am Auge vorüberziehen wie Dörfer auf einer Bahnfahrt beim Blick aus dem Fenster." Mit dem Verschwinden einer "sinnvollen Reihenfolge von Ereignissen", einer "Logik des Handelns" gehe, so etwa Christine Eichel, auch das Politische verloren und mit ihm die "Kraft des Visionären, die Vorstellungskraft von Alternativen zum Bestehenden". Ihr Vorschlag: Wiederentdeckung des Narrativen, des "Abenteuers des Erzählens", das in der Kunst und nicht in der plakativen Bilderfolge der Medien zu finden sei. So läßt sich auch dieser Band am besten als Versammlung sehr unterschiedlicher Erzählungen lesen, als Einladung, Wirklichkeit(en) jenseits der Oberflächen zu entdecken. H. H.

Wer inszeniert das Leben? Modelle zukünftiger Vergesellschaftung. Hrsg. v. Frithjof Hager ... Frankfurt/M.: Fischer, 1996. 377 S. (Kultur & Medien), DM/sFr 24,90/ö5 793,50