Der Architekturkritiker des Guardian vertritt folgende These: Ebenso wie die "moderne" Architektur - die des Ersten Maschinenzeitalters - durch die zwei Weltkriege geprägt war, wird auch unsere gegenwärtige  "postmoderne" Architektur - die des Zweiten Maschinenzeitalters - durch die zentralen Themen unserer Zeit bestimmt. Aber während Umweltverschmutzung, Erschöpfung der Ressourcen, die Lähmung der Städte, die Herrschaft einer neuen globalen Informationsökonomie maßgebliche Auswirkungen auf die Praxis der Architektur haben, gibt es bis jetzt keine entsprechende Architekturtheorie. Die heutigen Architekten sind weit davon entfernt, neue Lösungen zu verlangen, sondern begnügen sich überwiegend mit der Rolle von Wehrdienstverweigerern im Krieg um das Überleben der urbanen Zivilisation. Pawley versteht sein Buch als Folgeband zu Reyner Benharn's „Theorv and Design in the First Machine Aqe" (1960) und behauptet, "die Architektur ist 1990 verbraucht". Im Vergleich mit den großen Tagen der "modernen" Architektur ist heute die Rolle des Architekten tragisch reduziert. Die "moderne" Neigung zu mutigen Neuerungen wurde angesichts misslungener Bauten und hoher Versicherungsforderungen gezügelt und ist heute durch eine konservative Risikoscheu ersetzt. Nach dem Ende des öffentlichen Investitionsbooms der Nachkriegszeit und dem Tod der großen Architekten gibt es keine gleichwertigen Nachfolger; vielmehr arbeitet eine wachsende Zahl braver Konstrukteure auf einem eng umgrenzten Gebiet. Die Wirklichkeit der Stadt des Zweiten Maschinenzeitalters ist gegenläufig: während sich die informationellen Strukturen integrieren, verfällt die konkrete Architektur und verkommt zu gleichförmigen Gehegen provisorischer Fassaden neben ausgeräumten Feuerschutzzonen, wo Straßenräuber und Bettler ihr Unwesen treiben und die gepanzerten Divisionen des Verkehrs einander lähmen. Zusammen qesehen ergeben diese zwei Ansichten ein stereoskopisches Bild dessen, was ehemals der öffentliche Raum war." In ähnlich bildungsbürgerlich-vollmundiger Weise diskutiert der Autor die Fluchtrouten aus der "Moderne": den Klassizismus, den Postmodernismus, High-Tech und die autodidakte Architektur von Gemeinschaftsprojekten, weiters die Lektion der Motorisierung, Reaktionen auf die Energiekrise, die Information als Gesamtlösung und den Technologietransfer in der Architektur. (Von Pawley stammt auch „The Private Future" „Die private Zukunft") 1974, wo er für die westliche Gesellschaft trübe Aussichten vertritt: die soziale Atomisierung und der Rückzug ins Private hätten sie an den Rand des Zusammenbruchs gebracht.)  

Martin Pawley: Theory and Design in the Second Machine Age. Oxford/GB und Cambridge, Mass./USA: Basil Blackwell Juni 1990. 189 S., $ 31,95. (= Theorie und Praxis der Architektur im Zweiten Maschinenzeitalter)