Einen interessanten Zugang stellen diese drei schmalen Bände der Kunsthalle Düsseldorf dar, die an (realen) Bauten den Wandel der Stadt aufzeigen. Der erste Band ist den vielen leer stehenden Wohn- und Industriebauten in den Städten Ostdeutschlands gewidmet, die inklusive aktuellem Marktwert (Mindestgebote bei Immobilienauktionen) beschrieben werden. Der zweite Band gilt den vielen seit der „Wende“ errichteten Neubauten, in die allein in den ersten 10 Jahren nach 1989 „über 200 Mrd. Euro für die Erstellung von ca. 1 Mrd. Kubikmeter umbauten Raums flossen“. Die Autoren sprechen dabei von „Ersatzstadt“ ohne durchdachte Planung und zusammenhängende Funktionen („Der Zusammenhang der Stadt entsteht erst durch die Verkehrsbewegungen.“). Auf diese Weise entstanden neue Wohnungen ebenso wie Einkaufszentren, Freizeiteinrichtungen und Gewerbegebiete. Die „ungebaute Stadt“ schließlich vereint Bauvorhaben von meist anspruchsvoller Architektur, die zwar geplant, aber (aufgrund finanzieller oder anderer Probleme) nicht realisiert wurden und damit das „utopische Material“ darstellen. Die Autoren beweisen Ironie, wenn sie diese „ungebaute Stadt“ beschreiben, als gäbe es sie wirklich: „In der Ungebauten Stadt leben überproportional viele junge Menschen. Die Bevölkerung strahlt eine große Zufriedenheit, Lebendigkeit, sogar ein Glücksgefühl aus. So werden auch die öffentlichen Plätze durch die dynamische Bewohnerschaft um ein vielfaches intensiver genutzt als in anderen Städten. Verschmutzung, Vandalismus oder gar Verfall fallen im Stadtbild nicht ins Auge, und selbst das Wetterist hier in der Regel besser. So durchschreitet der Besucher die Stadt meist unter blauen Himmeln und strahlendem Sonnenschein.“ H. H.

 

Drei Städte: Verlassene Stadt - Ersatzstadt - Ungebaute Stadt. Architektur- Stadtführer Ostdeutschland. Bd. 1-3. Köln: König, 2003. je 31 S., € 16,- [D], € 16,50 [A], sFr 27,70 ISBN 3-88375-705-5