In der BRD, dem Land mit der größten Dichte an Atomwaffen und -reaktoren, findet die psychische Verarbeitung der atomaren Bedrohung kaum ihren Niederschlag in der akademischen Psychologie. Mit diesem Beitrag wollen die Autoren zur Überwindung der Situation beitragen, dass die Beschäftigung mit friedenspsychologischen Themen als Parteilichkeit oder Unwissenschaftlichkeit diffamiert wird. Der Überblick über den Stand der psychologischen Atomforschung versteht sich als interdisziplinär im Sinne der Zusammenarbeit von Psychologie, Soziologie, Politologie und Medizin. Die Untersuchungen behandeln u.a. die Analogien zwischen Menschen im Angesicht atomarer Bedrohung und Krebspatienten, "die auch im fortgeschrittenen Stadium Tumore für Pickel und Hautmalignome für Sonnenbrand halten". Weiters geht es um Formen kollektiver Stressbewältigung und das Zusammenwirken von Emotion und Kognition. Gefragt wird auch nach den Bedingungen, unter denen atomare Bedrohung wahrgenommen (Begreifen) wird und zu friedenspolitischem Engagement (Eingreifen) führt. Der Beitrag von Böhm/Faas ist der einzige, "der sich explizit mit der psychischen Verarbeitung der nicht-militärischen atomaren Bedrohung durch Atomkraftwerke beschäftigt". Abschließend fragen die Herausgeber selbstkritisch nach Sinn oder Unsinn solcher Forschung. Handelt es sich lediglich um ein "Selbstablenkungsmanöver" (R. Bahro) oder um einen wichtigen Beitrag zur friedenspsychologischen Forschung? Den zum Großteil interessanten und engagierten Aufsätzen kann eine positive Wirkungskraft in diese Richtung zweifellos zukommen. 

Leben unter atomarer Bedrohung. Ergebnisse internationaler psychologischer Forschung. Boehnke, Klaus (Hrsg.). Heidelberg: Asanger, 1989.287 S., DM 32,-1 sFr 27, 10 / öS 249,60