"Aus Furcht, der Tod könnte uns das Kind entreißen, entziehen wir es dem Leben." Diesen Satz hat der polnische Kinderarzt, Pädagoge und Waisenhaus-Vater Janusz Korczak (1878-1942) schon zu Beginn dieses Jahrhunderts geschrieben. Aber erst im Jahr 1959 wurde in einer" Erklärung über die Rechte des Kindes" durch die Vereinten Nationen für das Kind ein Anspruch auf Namen und Nationalität postuliert, bevor dann endlich im Jahr 1989 das" Übereinkommen über die Rechte des Kindes" einstimmig von der UN-Vollversammlung verabschiedet- und Korczaks Forderung nach umfassender Achtung der Kinder zumindest theoretisch erfüllt wurde. Denn zum ersten Mal wurden damit persönliche, politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte für Minderjährige in einer verbindlichen Rechtsform zusammengestellt und damit den Kindern Eigenständigkeit zuerkannt.   Seither gibt es in Deutschland in rund 200 Gemeinden Kinderbüros oder Kinderbeauftragte, rund 80 kommunale und regionale Kinderparlamente und eine Unzahl einschlägiger Initiativen. Es ist also etwas in Bewegung geraten. Nach Meinung der beiden Autorinnen also Zeit für die vorliegende Bestandsaufnahme und damit auch für den Versuch, die Frage zu klären, welche Politik für die Kinder und welche von den Kindern gemacht wird. Daß dabei auch Kinder zu Wort kommen, versteht sich von selbst. Ein nützliches und lesenswertes Buch für alle, die in Kindern nicht nur halbe, sondern ganze - wenn auch noch kleine - Menschen sehen. Nützlich nicht zuletzt auch wegen der reichhaltigen Literaturhinweise und Adressen (auch österreichischer) Initiativen für Kinder und von Kindern. R. T.

Frädrich, Jana; Jerger-Bachmann, Ilona: Kinder bestimmen mit. Kinderrechte und Kinderpolitik. München: Beck, 1995. 159 S.,