Vielen Erwachsenen bereitet die Vorstellung Angst, daß ihre Kinder über zentrale gesellschaftliche Entwicklungen besser Bescheid wissen als sie selber. Diese Angst steht aber, so der Autor, einer Bewältigung der Aufgaben als Eltern, Lehrer, Unternehmer und Politiker entgegen.

Don Tapscott, Vorsitzender des US-Think-Tank „Alliance for Converging Technologies” geht jedenfalls davon aus, daß die Netz-Generation die Zukunft entscheidend mitprägen wird. Was die Nachfolgegeneration der Babyboomer (alle zwischen 1946 bis 1964 Geborenen) und der Generation X (im Zeitraum zwischen 1965 bis 1976 Geborene) denkt, wie sie lernt, spielt und kreativ ist, wie sie konsumiert und welche Einflüsse auf die Arbeitswelt durch sie zu erwarten sind, erforschte der Autor in über 300 virtuellen Interviews per E-Mail, in Online-Diskussionen (sogenannten Growing up Digital-Foren) und Umfragen (über die Projekt-Web-Site www.growingupdigital.com).

Die neue Generation N, wie Tabscott die Kids zwischen 2 und 22 Jahren nennt, wächst inmitten der digitalen Medien heran. Ihnen erscheint das Fernsehen altmodisch, sie wollen Nutzer anstatt nur Zuschauer oder Zuhörer sein. Sie bedienen sich der Technologie auch, um zu kommunizieren und Beziehungen herzustellen. In den USA benutzen bereits 2/3 der Kinder und Jugendlichen einen PC, im Jahre 2000 (Grafik S. 19) werden dort bereits 46% zu Hause über einen Netz-Zugang verfügen.

Besondere Auswirkungen dieser Entwicklung sieht der Autor vor allem für Wirtschaft („Das Netz wird neues Verkaufs-, Support- und Servicemedium für beinahe alles, wenn die Millionen Netzkundiger ins einkaufsfähige Alter kommen.” S. 29), Bildung (ein Ende des Frontalunterrichts zeichnet sich ab) und nicht zuletzt für das Fernsehen, das im Zuge dieser Entwicklung stark zurückgehen wird.

Tapscott ist überhaupt nicht einverstanden mit der Ansicht eines Neil Postman, der davon ausging, Information verkomme durch die Datenautobahn zu Müll und züchte Stubenhocker. Im Gegenteil, er hält Kinder ohne Zugang zu den neuen Medien in ihrer Entwicklung für benachteiligt. Offen bleibt jedoch die Frage des ungleichen Zugangs zu dem neuen Medium, wenn die Mehrzahl der Kinder global gesehen ohne die Segnungen der digitalen Kommunikation aufwachsen muß. Auch die Beantwortung der Frage, wie es nach der fortschreitenden Kommerzialisierung (Verschmelzung von Fersehen und Internet) weitergehen wird, bleibt uns der „Netz-Guru” schuldig. Insgesamt erwartet sich Tapscott von der Netz-Generation nicht weniger als eine Überwindung primitiver Relikte (wie Rassismus, Sexismus) und er fordert von uns, auf unsere Kinder zu hören.

Die Net Kids sind uns im Handling des Cyberspace haushoch überlegen; es gilt dieses Potential nicht nur für den Markt zu nutzen, sondern auch die Werte und Ziele einer ganzen Generation zu verstehen. Dieses Vorhaben ist Tapscott über weite Strecke gelungen. A. A.

Tapscott, Don: Net Kids. Die digitale Generation erobert Wirtschaft und Gesellschaft. Wien: Signum-Verl., 1998. 405 S. (Business) DM 54,40 / sFr 49,50 / öS 398,-