Nach dem Band „Planen mit Phantasie. Zukunftswerkstatt und Planungszirkel für Kinder und Jugendliche“ [vgl. PZ 1/97*2] liegt mit dem hier angezeigten Titel ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Gestaltung offener, demokratischer Beteiligungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen im nördlichsten Bundesland der BRD vor, der weit über die Grenzen dieses kleinen Landes hinaus Aufmerksamkeit verdient. In der Tat könnte § 47 der neuen Kommunalverfassung Schleswig-Holsteins, in welchem die Partizipation Jugendlicher in Form von Selbstbestimmung ein hohes Maß an Verbindlichkeit erhält, zum „Exportschlager“ (S. 13) werden. Mehr noch aber beeindruckt, wie offensichtlich Begeisterung und Professionalität dazu beitragen, das oft hohle Postulat der Mitbestimmung zu einer lebendigen Beteiligungskultur zu entwickeln.

Voraussetzung dafür ist, wie das Autorenteam eingangs festhält, die Berücksichtigung von 15 Prinzipien („Prüfsteinen“), die bei der Partizipation von Jugendlichen zu beachten sind: Über- oder Unterforderung, Unterstützung und Qualifikation, die kooperative Planung, entsprechende  Zeitstruktur und natürlich die Wahl der richtigen Arbeitsformen sind einige davon. Im folgenden Abschnitt „Praxis I“ sind 16 Beispiele von Mitbestimmung und -verantwortung von Jugendlichen angeführt, wobei das Spektrum von Foren, Beiräten und Parlamenten - in Itzehoer können bereits Sechsjährige erste Erfahrungen auf politischem Parkett sammeln - bis hin zu „Stadtteilforschern“ und der Gestaltung von Natur-, Schul- und Spielräumen reicht. Welche Form oder Methode gemeinschaftlicher Planung und Gestaltung jeweils empfehlenswert ist und welche „Werkzeuge“ aus dem reichhaltigen „Methodenkoffer“ auch kombiniert am ehesten Erfolg bringen, wird in „Praxis II“ verraten. Der ausführlichste, sich anschließende Abschnitt stellt in alphabetischer Reihung und jeweils gleicher Struktur - u. a. mit Kurzbeschreibung / Eignung / Vor- und Nachteile / Zeit / Aufwand und natürlich ausführlicher Beschreibung nicht weniger als 39 Methoden von „Bauplanungscheck“ bis „Zukunftswerkstatt“ vor. Bekanntes („Wunsch- und Meckerkasten“, Malaktion , Podiumsdiskussion) findet sich neben Ungewöhnlichem („Planungssprint“, „Meine Meinung“, „Riesenbrief an die Kommunalpolitik“), Institutionalisiertes (wie Jugendbeirat u.a.m.) neben Kuriosem (Wunschbaum, Jugend-TÜV oder Erfindungsspiel). Insgesamt ein reichhaltiges Repertoire, das hauptberuflich in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen ebenso dienlich sei wird wie ModeratorInnen oder KommunalpolitikerInnen. W. Sp.

Bezugsadresse: Deutsches Kinderhilfswerk e. V., Rungestr. 20, 10179 Berlin, dkhw@dkhw.de, www.dkhw.de. Für weitere Auskünfte: Aktion Schleswig Holstein - Land für Kinder - beim Ministerium für Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau des Landes Schleswig-Holstein, Theodor-Heuss-Ring 49, 24143 Kiel, Tel.: 0431 / 988 - 74 77, www.schleswig-holstein.de/landsh

Brunsemann, Claudia; Stange, Waldemar; Tiemann, Dieter: mitreden - mitplanen - mitmachen. Kinder und Jugendliche in der Kommune. Hrsg. v. Dt. Kinderhilfswerk ... Berlin (u. a.), 1997. Schutzgebühr DM 15,-