In bewährter Übersichtlichkeit informiert dieser nunmehr siebte Band des Jahrbuchs Frieden über aktuelle Beispiele der zivilen Konfliktbewältigung und der "Arbeit am Frieden" sowie über Schwierigkeiten und Fortschritte in der weltweiten Abrüstung. Vor dem Hintergrund der Fixierung unserer Aufmerksamkeit auf Nachrichten über Kriege ist eine einleitende Übersicht überschrieben mit "Fast unbemerkt: Friedliche Streitbeilegung 1994/95", in der Sabine Klotz erfolgreiche Konfliktlösungen im Berichtszeitraum auflistet. Es folgen Regionalbeiträge über die Waffenstillstandsbemühungen in Nordirland (Andreas Huschen), den erfolgreichen Abschied von der Militärjunta in Haiti (Astrid Nissen) sowie über Initiativen der Zivilgesellschaft zur Überwindung des türkisch-kurdischen Krieges - ein von deutschen NGOs ausgehender Tourismus-Boykottaufruf für die Türkei hat bereits erste Wirkung gezeigt (Andreas Buro). Erste Vermittlungsgespräche zwischen laizistischen Gegnern des algerischen Militärregimes und der von ihm verbotenen islamistischen FIS beschreibt Werner Ruf - eine erfolgreiche Initiative, die bemerkenswerterweise von der katholischen Laienbruderschaft Comunita San Egidio mit Sitz in Rom in Gang gebracht wurde. Aus dem zweiten, internationale Abrüstungsbemühungen thematisierenden Teil seien stellvertretend die Ausführungen des Abrüstungsexperten des Worldwatch Institute, Michael Renner, erwähnt, der die Kosten für Abrüstungs- und Entmilitarisierungsmaßnahmen wie die Überführung von Soldaten ins Zivilleben oder die Entschärfung von Minenfeldern vorrechnet und diesen die nach wie vor um ein Vielfaches höheren Ausgaben für Rüstungskäufe gegenüberstellt.  Im letzten Abschnitt werden schließlich beispielhaft Initiativen von Friedensgruppen vorgestellt, so etwa die erfolgreiche Arbeit der Schweizer Initiative "Gemeinden Gemeinsam", die Partnerschaften mit Städten aus dem ehemaligen Jugoslawien aufbaute (Arne Engeli), oder die Bewegung "Memorial" in der GUS gegen den Krieg in Tschetschenien (Bernhard Clasen). Auch die weiteren Berichte über die internationale Kampagne gegen Landminen (Angelika Beer), die Kirchenasylbewegung in Deutschland (Wolf-Dieter Just) und ein Projekt zur Gewaltprävention in Graz (Reiner Steinweg) können aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß - so die nüchterne Feststellung der Herausgeberinnen - "das Interesse an der Friedensgestaltung "“Sich in der Bevölkerung noch kaum entwickelt" hat. Das Jahrbuch Frieden ist ein wichtiger Beitrag dazu, diesem Defizit abzuhelfen und der zivilen Friedensarbeit - wie sie etwa Johan Galtung im Editorial von PRO ZUKUNFT 4/95 dargestellt hat - auch den nötigen institutionellen Rückhalt zu verleihen. H. H.

 

Jahrbuch Frieden 1996. Konflikte, Abrüstung, Friedensarbeit. Hrsg. v. Hanne-Magret Birkenbach ... München: Beck, 1995. 294 S. (BsR; 1116),