Die nicht wenigen Bücher zum Themenbereich "Gewalt", insbesondere" Gewalt unter Jugendlichen", die in letzter Zeit auf den Markt genommen sind, haben öfters Mängel, was die differenzierte Analyse der Thematik angeht (Schlagwort: "Gewalt nimmt immer mehr zu! "l. bzw. sind sie zu schnell mit Rezepten, was man/trau denn sofort und leicht und immer und überall tun könne, zur Hand. Nicht so Peter Struck. Der Hamburger Erziehungswissenschaftler hat mit dem vorliegenden, leicht lesbaren Taschenbuch den Spagat geschafft zwischen fachlicher Grundlegung, allgemeiner Verständlichkeit und Praxisrelevanz. Zunächst räumt er mit Vorurteilen auf: "Der Anteil jugendlicher Straftäter ist gemessen an der Gesamtkriminalität seit 1970 um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Besonders gewalttätige Jugendliche sehen weniger fern als besonders friedliche, und es gibt eine deutliche Verlagerung von Aggressionen gegen Menschen und Sachen auf das Feld der Aggressionen gegen sich selbst. Es wird weniger geschlagen und zerstört als je zuvor, stattdessen haben Autoaggressionen in Form von Rauschbedürfnis, psychosomatischen Erkrankungen und Selbstzerstörung bis hin zu Todessehnsucht deutlich zugenommen." Wenn sich auch Struck besonders der pädagogischen Herausforderung durch die verschiedenen Gewaltphänomene widmet, stellt er doch deutlich klar, daß konsequente Gewaltprävention eine radikal politische Aufgabe ist, die sich z. B. den Systemen Schule und Wohnumfeld widmen muß. Dazu kommen dann auch Faktoren wie die Wiederentdeckung des liebevollen Körperkontaktes (besonders der Väter), der sinnvollen und notwendigen "Grenzen" in der Erziehung, vor allem aber der persönlichen Beziehung und Kommunikation zwischen Erwachsenen und Jugendlichen (Zeit, Liebe, Nähe, Sprechen, Zuhören, Bewegung und Spiel miteinander). Weder Eltern noch Lehrerinnen, noch andere können allein gegen Gewalt "arbeiten": Vernetzung, Umdenken, personenbezogene und persönlichkeitsintensive Erziehung ist gefragt. P. A.

 

Struck, Peter: Zuschlagen, Zerstören, Selbstzerstören. Wege aus der Spirale der Gewalt. Darmstadt: Wiss. Buchges., 1995.215 S.