Mündet der zwischen kompromißbereiten Israelis und Palästinensern mühsam entwickelte Friedensprozeß in ein einigermaßen gewaltfreies Zusammenleben? Oder muß ein Nebeneinander-Existieren durch gemeinsame polizeiliche Maßnahmen ("Zwei im Jeep") erzwungen werden? Nicht nur die Umerziehung von militarisierten Befreiungskämpfern zu zivilen Ordnungshütern wird mühsam sein. Ein wesentlich größeres Hindernis stellen im besetzten Palästinenserland jene “Wehrdörfer" dar, die von fanatisierten, z. T. rechtsradikalen Israelis beherrscht werden. Felicia Langer - 1990 für die juristische Verteidigung verfolgter Palästinenser mit dem "Alternativen Nobelpreis" ausgezeichnet - illustriert am Beispiel des Massenmörders Baruch Goldstein die Folgen der ideologischen Indoktrination von Siedlern durch die terroristische Kach-Bewegung des Rabbi Meir Kahane.

Der geachtete USA-stämmmige Arzt aus Krijat Arba dringt am 25. 2, 1994 in eine Moschee in Hebron ein, erschießt 29 betende Gläubige und verwundet gut 150 weitere bis er von Moslems in Notwehr erschlagen wird, Die israelische Untersuchungskommission bemüht sich in der Folge, die eigentlichen Hintergründe des Massakers zu vertuschen. Doch Felicia Langer belegt in ihrer "Anklageschrift" detailliert die hinter diesen Bemühungen stehende Doppelmoral, der gemäß palästinensische Racheakte mit brutaler Sippenhaftung geahndet werden, während der Glorifizierung von "Helden" wie Goldstein und den sie begleitenden Gewaltakten gegen friedliche Demonstranten nicht wirksam entgegengetreten wird.

Der Märtyrerkult religiös verbrämter politischer Kämpfer zeigt auch die Nicht-Bewältigung ethischer Ansprüche in den jahrtausendealten "Hochreligione " auf, die in einen fanatischen Fundamentalismus münden können. Um den Teufelskreis von Blutvergießen und Haß zu durchbrechen fordert Langer u. a. eine Auflösung jüdischer Siedlungen auf dem Palästinenserland und sieht generell das Nebeneinander der beiden Völker noch für längere Zeit durch Extremisten gefährdet.

M. Rei.

Langer, Felicia: Wo Haß keine Grenzen kennt. Eine Anklageschrift. Göttingen: Lamuv, 1995, 208 S., DM/sFr 29,80/ ÖS 233