"Was not tut ist eine Diagnose der Zeit und eine Aktivierung all jener sozialen Kräfte, die aus dieser Diagnose Konsequenzen zu ziehen in der Lage und bereit sind. Theoretische Arbeit wird also als politisches Projekt konzipiert 'und umgekehrt: Wer politisch aktiv sein will, muß sich theoretisch anstrengen." Es ließe sich keine treffendere Einladung formulieren, dieses Buch zur Hand zu nehmen, als es die Autoren mit ihrem Verständnis von wissenschaftlichem wie politischem Handeln selbst tun. Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf - beide lehren Politikwissenschaft in Berlin und sind in der Globalisierungsdebatte keine Unbekannten - legen mit dieser umfangreichen Abhandlung eine beeindruckende Zusammenschau der andernorts nur fragmentarisch erfaßten Phänomene der gegenwärtigen weltgesellschaftlichen Transformationen vor: von der Durchkapitalisierung der Welt und ihren Folgen (Verschuldung, Exklusion aller Nichtgeldbesitzer) über die De-destabilisierung des Weltfinanzsystems (Beschleunigung und Entkopplung vom Produktivsystem durch einen "Derivatenkapitalismus", soziales und räumliches „Disembedding“) bis hin zum Bedeutungsverlust der Nationalstaaten mit den Auswirkungen auf die "industriellen Demokratien". Zwei Thesen legen die beiden ihren Ausführungen zugrunde: 1. Der dynamische Prozeß der Globalisierung mit all seinen Friktionen dürfe nicht mit dem Ziel der Globalität verwechselt werden, also einer stabilen Weltgesellschaft, die nur über einen "contract social global" erreicht werden könne. 2. Der Globalisierung sind physische, soziale und insbesondere ökologische Grenzen gesetzt, die zu Konflikten führen und die konstruktiv zu bewältigen, eines "kollektiven Regelwerks" bedürfe, also wesentlich Aufgabe der Politik sei. Deutlich wird die Notwendigkeit einer globalen "Regulation des Geldes, der Arbeit und des Energieverbrauchs ", Altvater und Mahnkopf schlagen hierfür die Besteuerung der internationalen Kapitaltransfers (Zurückdrängung der Finanzspekulationen durch Tobin-Steuer), eine auch die Geldvermögen erfassende, steuerfinanzierte Grundsicherung (arbeitsunabhängiges Basiseinkommen) sowie eine Energiesteuer (Verteuerung der Transporte, Verringerung der Arbeitsproduktivität) vor. Wieweit diese Maßnahmen international akkordiert durchgeführt werden können, wieweit sie regional umgesetzt werden müssen, sehen auch die Autoren als offenes Dilemma. Politischen Druck erhoffen sie insbesondere von NGOs einer globalen "civil society". die vor Ort und in internationalen Netzwerken agieren sollen. H. H.

Altvater, Elmar; Mahnkopf, Birgit: Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft. Münster: Westfälisches Dampfboot, 1996. 636 S.