Durch Verbrennung fossiler Brennstoffe werden pro Sekunde weltweit rund 1000 Tonnen zusätzlichen Kohlendioxins in die Atmosphäre emittiert. Um dieser und vielen weiteren Herausforderungen des ökonomischen, sozialen und ökologischen Globalismus zu begegnen, bedürfe es - so Udo E. Simonis in der Einleitung zu diesem inspirierenden Band - einer neuen, politischen Philosophie mit grenzüberschreitenden Zielvorstellungen und entsprechenden Akteurskonstellationen. Erste Ansätze, Erfolge und vor allem die Aufgabenfelder einer " Weltumweltpolitik" skizziert der Herausgeber - Professor für Umweltpolitik am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) hier in Zusammenarbeit mit einem internationalen Expertenteam. Die Koordination und Integration gegensätzlicher Teilstrategien (Patchwork-Aktionen) wird dabei als übergreifende Aufgabe einer Weltumweltpolitik herausgestellt: Insbesondere gelte es, die Ansätze von „Präventionalisten" und „Adaptionisten" auf einander abzustimmen sowie die Erörterung und Festsetzung von Mengen- und/oder Preisregelungen im Kontext globaler Umweltindikatoren wahrzunehmen. Diesen Basisaufgaben widmet sich der Herausgeber mit Verweis auf konkrete Handlungsfelder im einleitenden Beitrag.  Die folgenden 12 Kapitel stellen, theoretisch fundiert und mit zahlreichen aktuellen Fakten angereichert, einzelne Bausteine der "Weltumweltpolitik" zur Diskussion, wobei jeweils über das bisher Erreichte hinaus v. a. Handlungsanforderungen in den Blick genommen werden. In Bezug auf die Klimakonvention (das bislang erfolgreichste Teilstück globaler Umweltpolitik stellt der Herausgeber im Überblick dar), stünden in Zukunft nicht Wachstums- und Entwicklungsprozesse, sondern Reduzierung und Umverteilung an der Spitze der Agenda. Jedem Land, so ein zukunftsweisender Vorschlag, sollte nach einer Phase des Ausgleichs zwischen Nord und Süd - "ein Emissionsrecht eingeräumt werden, das sich aus der angestrebten Reduktionsmenge pro Kopf der Weltbevölkerung, multipliziert mit der Bevölkerungszahl eines Landes" ergibt. Als mittel- und langfristig wichtigste Aufgabe der Klimastabilisierung stellt M. Musch den Abbau von Methan- und Lachgasemissionen dar (Folgen der Viehzucht und des Reisanbaus in der Dritten Welt) und verweist zugleich darauf, daß traditioneller Landbau nur etwa 40% der Energie konventioneller Landwirtschaft benötigt. Wichtige Instrumentarien globaler Umweltpolitik ("Joint Implementations, Steuern und Zertifikate) werden in den sich anschließenden zwei Kapiteln ausführlich vorgestellt. Als Vorgaben für die jeweils bestmögliche Regelung werden Effizienz, Gerechtigkeit und Entscheidungsmöglichkeit im Fall von Unsicherheit genannt. Im Spektrum der weiters erörterten Aufgabenfelder Biodiversität (J. Suplie), Bodenpolitik (S. Büttner), Atommüll (N. Lenssen). Binnengewässer und Meere wird das Anforderungsprofil an globale Umweltpolitik deutlich; den diesen Anforderungen bisher kaum bzw. ungenügend angepaßten gesellschaftlichen Bedingungen sind die drei abschließenden Beiträge gewidmet: C. Helm skizziert Leitlinien zu einer Umwelt- und Handelspolitik in einer globalisierten Wirtschaft, F. Biermann erörtert Herausforderungen für Völkerrecht und Weltraumpolitik, und zuletzt werden Rahmenbedingungen für eine der neuen Komplexität Rechnung tragenden ökonomische Theorie angesprochen. Eine umfassende, zum Gegenstand "Welt-Umweltpolitik" erstmals bereitgestellte Bibliographie rundet den Band ab. W Sp.

Weltumweltpolitik. Grundriß und Bausteine eines neuen Politikfeldes. Hrsg. v. Udo E Simonis. Berlin: Ed. Sigma, 1996.325S., DM / sFr 36,- / öS 281