Globalisierung ist Faktum und Mythos zugleich. Es handelt sich also um einen überaus differenzierten Vorgang, den es entsprechend zu würdigen gilt. Kurt Hübner stellt sich einerseits den Herausforderungen eines komplexen Gegenstandes, andererseits relativiert er auch die sich zum „Komplex” auswachsenden Ängste. Mit Blick auf die ökonomische Theorie, die sich immer noch selbstverständlich als „Nationalökonomie” versteht, meint er, daß sie sich den weltwirtschaftlichen Realitäten stellen und mehr als eine Ahnung weltwirtschaftlicher Zusammenhänge entwickeln müßte.

In der vorliegenden Untersuchung geht es dem Autor darum, zunächst eine umfassende Darstellung und Interpretation verschiedener Typen grenzüberschreitender ökonomischer Transaktionen (wie Waren- und Dienstleistungen) zu geben. Hübner sieht in seiner Analyse keine Anzeichen für einen Automatismus der Globalisierung aller ökonomischer Beziehungen, sehr wohl aber Strukturveränderungen der Weltwirtschaft seit den späten 70er Jahren. Besondere Aufmerksamkeit widmet er beispielhaft den globalen Geld- und Finanzmärkten, Märkten also, denen ganz besondere Einflüsse auf die nationale Politik nachgesagt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die von Unternehmen getätigten ausländischen Direktinvestitionen. Der Autor präsentiert dazu empirische Befunde zur Verlaufs-, Struktur- und Regionalentwicklung solcher Transaktionen, die seit den 80er Jahren auf eine rasch verlaufende Internationalisierung verweisen.

Nicht minder interessant ist die Frage nach der Einbindung der bundesdeutschen Produktions- und Reproduktionsstrukturen in die globale Ökonomie. „Einer der politisch brisantesten Aspekte des Globalisierungsprozesses liegt in den potentiellen Auswirkungen dieser Vorgänge auf die nationalen Arbeitsmärkte.” (S. 14) Schließlich beschäftigt  sich Hübner mit der Frage nach dem Zusammenhang von Globalisierung, nationalen Arbeitsmärkten und territorial fixierten Organisationen wie Gewerkschaften. Die Frage nach dem politischen Souveränitätsverlust nationaler Akteure im Sinne von Ohnmacht oder „Diktatur der globalen Ökonomie” will er nicht gelten lassen, wenn er durchaus politische Interventions- und Gestaltungsspielräume zu orten glaubt. Für den Autor ist nämlich die ökonomische Globalisierung nicht vorrangig ein Prozeß der Raumauflösung, sondern der räumlichen Neugliederung, in dem nationale Regulationsweisen durchaus einen Platz und eine Funktion haben. A. A.

Hübner, Kurt: Der Globalisierungskomplex. Grenzenlose Ökonomie - grenzenlose Politik? Hrsg. v. d. Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf. Berlin: Ed. Sigma, 1998. 378 S. (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung; 10) DM 44,- / sFr 41,- / öS 321,-